Letztes Update am Mi, 11.10.2017 14:10

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Studie: Mehr heimische Produktion würde dem Weltklima helfen



Wien (APA) - Österreich würde um rund ein Drittel mehr Treibhausgase wie CO2 ausstoßen, würden alle heimischen Produkte im Ausland erzeugt. Dies ergibt sich aus einer neuen climAconsum-Studie, wie Studienautor Andreas Windsperger vom IIÖ und WKÖ-Industrie-Umweltsprecher Robert Schmid am Mittwoch sagten. Unter die Lupe genommen wurden neben der Erzeugung auch die Verwendung von Gütern sowie deren Im- und Exporte.

2013 war Österreich für rund 80 Mio. Tonnen Treibhausgase verantwortlich, betrachtet man Produktion und Nutzung. Zählt man allerdings noch die Importe von Gütern - und deren Verwendung bei uns - mit hinzu und zieht davon den Export heimischer Erzeugnissen ab, so kommt man auf eine Summe von 130 Mio. t, wie Windsperger, Leiter des Instituts für industrielle Ökologie, in einer Pressekonferenz sagte.

„50 Millionen Tonnen lagern wir also aus“, so auch die Schlussfolgerung von Schmid: „Würden wir das alles selbst produzieren, wäre es hier ein relevanter Teil, wenn auch weniger als im Ausland.“ Oder anders gesagt: „Wenn wir die Dinge weiterhin nutzen wollen, dann sagt die Studie: Es ist eindeutig und massiv besser, die Waren und die Produkte in Österreich zu produzieren und nicht im Ausland.“

Wenn für die Herstellung eines Produktes in Europa ein Kilogramm CO2 emittiert würden, so seien es in Südostasien fünf bis sieben Kilogramm, so Schmid: „Es ist wohl das Naheliegendste, dass die Politik alles für eine starke heimische Produktion mit hoher Wertschöpfung und viel Beschäftigung tut.“ Die österreichische Industrie versuche schon seit Jahren und Jahrzehnten darzulegen, „dass wir sauberer produzieren als unsere ausländische Konkurrenz“. Nun gebe es endlich eine Gesamtsicht zu den bisherigen theoretischen Versuchen. Bei der Studie hat auch das Joanneum Research mitgemacht.

Bestätigt sieht Schmid durch die Studie wie wichtig es sei, die heimische industrielle Produktion und auch die Re-Industrialisierung zu sichern. Nötig seien dafür jedoch „ökonomisch vernünftige Rahmenbedingungen“ und weniger „Abwehrmaßnahmen ökologischer Fundamentalisten“, so Schmid, der auch Geschäftsführer der Baumit-Gruppe ist. Neben Entbürokratisierung und Rechtssicherheit bedeute dies auch ausreichend Energie, vor allem elektrisch, die auch leistbar sei. Das brauche die Industrie, um hier relativ sauber produzieren zu können.

Stefan Schwarzer, Leiter der WKÖ-Umweltpolitik, warnte vor einer Politik, die Standorte dorthin zu verlegen, „wo wir zwar Österreich klimapolitisch optisch verbessern, aber für das Weltklima nichts gemacht haben“. Damit bezog sich Schwarzer auf die Studienergebnisse, die für mehr nationale Produktion sprechen, wodurch die Gesamtemissionen verbessert werden könnten. Oder, wie es Schmid ausdrückte: „Die Reduktion der Emissionen in Österreich mit dem Mittel der Verlagerung in andere Länder ist ein Etikettenschwindel.“ Auch durch eine bewusste Beschaffung könnte sich die Situation verbessern, lautet ein Resultat. Und wir könnten dem Weltklima durch mehr Ausfuhren helfen: „Durch unsere Exporte bewirken wir eine THG-Reduktion im Ausland“, so Schmid.

WKÖ-Umweltexperte Schwarzer warnte davor, dass die im Herbst aus der EU zu erwartenden Beschlüsse zum Handel mit Verschmutzungsrechten zu einer Verknappung der CO2-Zertifikate führen könnten - „getrieben durch die Strombranche“. Die künstliche Verknappung der Zertifikate soll ja zu einem Preisanstieg derselben führen und damit in der Folge zu weniger Schadstoffausstoß, so die Idee dahinter. Die Industrie bekomme aber schon bei CO2-Preisen zwischen 20 und 30 Euro pro Tonne „Probleme“, warnte Schwarzer - der auch dafür plädierte, ein eigenes Industrie-ETS zu überlegen statt den Sektor dem allgemeinen Emission Trade System zu unterwerfen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte kürzlich 25 bis 30 Euro je t CO2 als Minimum verlangt. Damit in der Stromerzeugung vom Brennstoff Kohle zu Gas gewechselt werde, wären aber noch höhere CO2-Preise von 30 bis 40 Euro/t nötig, hatte Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber Ende September gesagt - und um auch aus dem Gas herauszugehen nochmals höhere. Zum damaligen Zeitpunkt lag der CO2-Preis bei ungefähr 7 Euro pro Tonne.

Die im Energiebereich als zukunftsträchtig angesehenen Methan- und Wasserstoff-Technologien sieht Schwarzer derzeit durch steuerliche Unklarheiten beeinträchtigt. Deshalb komme das wichtige Projekt Energiespeicherung in Form von Wasserstoff und nichtfossilem Methan nicht in Gang. Diese Technologien sollten nicht dem Mineralölsteuergesetz, sondern den Gasbestimmungen zugeordnet werden, „da brauchen wir eine Klarstellung“.

~ WEB https://news.wko.at/presse ~ APA336 2017-10-11/14:07




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