Letztes Update am Mi, 11.10.2017 14:28

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fußball: Europameister Portugal mit „großem Spiel“ nach Russland



Lissabon (APA/Reuters/sda/dpa) - Mit einer souveränen Vorstellung und einem 2:0-Heimsieg über die Schweiz hat Portugal am Dienstagabend sein Fußball-WM-Ticket gelöst. Die Gäste, die mit einem Remis vor dem Europameister ins Ziel eingelaufen wären, erhielten eine kleine Lektion, hätten durchaus auch höher verlieren können. „Mit einem großen Spiel haben wir unser Ziel erreicht“, schwärmte Portugals Mittelfeldmann Joao Moutinho.

Nur dank des besseren Torverhältnisses beendeten Cristiano Ronaldo und Co. die Gruppe B auf Platz eins vor der Schweiz und ersparten sich so den mühsamen Umweg über die Play-off. „Als Europameister müssen wir bei der WM sein“, stellte Verteidiger Jose Fonte klar. Den großen Druck meisterte die Elf von Trainer Fernando Santos schließlich aber souverän. Die Schweiz schien in keiner Phase imstande, der Partie eine entscheidende Wende zu geben.

„Wir waren nicht auf dem Platz“, sagte Schweiz-Stürmer Haris Seferovic. Sein Coach Vladimir Petkovic meinte eigentlich das Gleiche, als er sagte: „Wir haben nicht so gespielt wie in den ersten neun Spielen. Das war nicht die gewohnte Schweizer Mannschaft.“ Eines zeigte der direkte Vergleich zwischen der Nummer drei (Portugal) und sieben der FIFA-Weltrangliste einmal mehr: Das Ranking ist mit Vorsicht zu genießen. „Wir haben diesen Test nicht bestanden“, sagte Granit Xhaka selbstkritisch. Spielerisch sei es ein Rückschritt gewesen, meinte Kapitän Stephan Lichtsteiner. „Wer aber nach einer Auswärtsniederlage gegen Portugal von einem klaren Rückschlag spricht, verkennt die Realität.“

Die Eidgenossen dürfen angesichts von neun Siegen in zehn Qualispielen jedenfalls mit Selbstbewusstsein in die Barrage im November gehen. Die Gegner werden nicht so stark sein wie das Portugal vom Dienstag. Aber Irland, Nordirland, Schweden und Griechenland sind höher einzustufen als die Gruppengegner Ungarn, Färöer, Lettland und Andorra.

Den Gang in die „Verlängerung“ ersparte sich Vize-Europameister Frankreich. Das abschließende 2:1 (2:1) gegen Nachzügler Weißrussland fiel allerdings glanzlos aus. „Wir haben manche Dinge sehr gut gemacht“, meinte Teamchef Didier Deschamps. „Aber wir schaffen es nicht, die Situation über die gesamte Spielzeit hinweg zu kontrollieren und haben das auch über die Qualifikation hinweg nicht gekonnt.“ Deswegen sei man auch nicht unter den Topfavoriten auf den Titel in Russland. „Wir sind höchst ambitioniert, aber wenn wir zu anderen Ländern blicken, sind zwei in Europa (Portugal, Deutschland) vor uns und eines in Südamerika (Brasilien).“

Für die Niederlande endete die Quali hingegen mit einer weiteren Schmach. Nach der verpassten EM 2016 ist „Oranje“ in Russland 2018 nur Zuschauer. Das Heim-2:0 gegen die am Ende punktgleichen Schweden genügte nicht mehr, um mit sieben Toren Unterschied zu gewinnen und so Play-off-Spiele um die letzte WM-Chance zu erzwingen. Für den langjährigen Star Arjen Robben fiel der Vorhang. Der 33-Jährige hatte schon bei der Hymne mit seinen Emotionen zu kämpfen, erzielte anschließend beide Tore erklärte nach Abpfiff seinen Rücktritt.

„Ich will mich jetzt ausschließlich auf Bayern konzentrieren“, sagte der Doppel-Torschütze, der 2010 in Südafrika Vize-Weltmeister wurde, 2014 nur haarscharf an einem weiteren WM-Finale scheiterte und in 96 Länderspielen insgesamt 37 Tore erzielte. Die Kulisse und die ihm zujubelnden Fans habe er „besonders genossen“, betonte der Flügelflitzer des deutschen Rekordmeisters. Robbens Entscheidung ist verständlich: Beim nächsten für ihn möglichen großen Turnier, der EM 2020, wäre er bereits 36 Jahre alt. Mit ihm geht für manchen Kommentator auch die Hoffnung: „Wenn Robben das Licht ausmacht, wird es sehr dunkel“, schrieb das „NRC Handelsblad“.




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