Letztes Update am Mi, 11.10.2017 16:07

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Finanzinvestoren kaufen in Deutschland so viel wie nie



München (APA/Reuters) - Beteiligungsgesellschaften geben in Deutschland so viel Geld für Unternehmenskäufe aus wie noch nie. Heuer dürften nach Erhebungen des Branchenverbands BVK deutsche Unternehmen für mehr als 10 Mrd. Euro an Finanzinvestoren gehen.

In den ersten sechs Monaten haben sie mit fast 7,3 Mrd. Euro mehr Eigenkapital in Deutschland investiert als im ganzen Jahr 2016, wie der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) am Mittwoch in München mitteilte. Kredite, mit denen die Investoren einen großen Teil der Käufe finanzieren, sind dabei noch gar nicht eingerechnet. „Wir erwarten ein Rekordjahr“, sagte Geschäftsführerin Ulrike Hinrichs. „Wir glauben, dass wir im zweiten Halbjahr die Grenze von zehn Milliarden Euro reißen werden.“

Der bisherige Rekord liegt knapp unter 10 Mrd. Euro und stammt aus den Boom-Jahren vor der Finanzkrise. Seit 2010 schwankten die Zahlen zwischen 5,1 und 7,2 Mrd. Euro. Die teuerste Übernahme durch Finanzinvestoren in Deutschland ist in den Halbjahreszahlen nicht berücksichtigt: Das 5,3 Mrd. Euro schwere Angebot von Bain Capital und Cinven für den hessischen Arzneimittelhersteller Stada war erst nach dem Stichtag ausgelaufen. Auch bei der zweitgrößten Transaktion des Jahres spielt Cinven mit - aber als Verkäufer: Der britische Finanzinvestor verkaufte den Industriekeramik-Hersteller CeramTec am Mittwoch für 2,6 Mrd. Euro an den Rivalen BC Partners.

Dabei machen die schlagzeilenträchtigen Mehrheitsübernahmen nur 12 Prozent aller 602 Private-Equity-Transaktionen aus. Dem Investitionsvolumen nach stehen sie aber für 81 Prozent des Marktes. „Wir haben ein starkes Investitionsplus bei den großen Buy-outs und bei Venture Capital“, sagte Hinrichs. Dabei sei bei den Kapitalspritzen für junge Unternehmen (Venture Capital) das zweite Halbjahr meist das stärkere.

In der Wachstumsfinanzierung tummeln sich in Deutschland aber zumeist staatliche Financiers. „Wir haben eine deutliche Lücke bei privatem Kapital, das in Venture Capital fließt“, sagte Hinrichs. Der BVK hofft auf die neue deutsche Bundesregierung. Vor allem Versicherern müssten Investitionen in Firmenbeteiligungen erleichtert werden, sagte Hinrichs. Vorbild dafür sei Dänemark, wo der Staat einen Dachfonds eingerichtet hatte, über den die Assekuranz in Venture Capital und Private Equity investieren konnte und die Risiken über eine Art Staatsgarantie abgefedert worden seien. Das könne sich der Verband auch für Deutschland vorstellen, am besten unter dem Dach der Förderbank KfW, sagte Hinrichs.




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