Letztes Update am Mi, 11.10.2017 16:13

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Überstunden bei Arbeit an Olympiastadion trieben Japaner in Suizid



Tokio (APA/AFP) - Die japanischen Behörden haben anerkannt, dass es sich bei einem Suizid eines Arbeiters in Tokio um die Folge exzessiver Überstunden handelte. Der 23-Jährige war seit Dezember am Bau des Olympiastadions von Tokio beteiligt gewesen, das bis zum Beginn der Sommerspiele 2020 vollendet sein soll.

Der Vorfall ist Teil einer Reihe von Todesfällen, die im Zusammenhang mit der immensen Belastung für japanische Arbeitnehmer stehen. Der 23-Jährige leistete auf der Baustelle bis zu 200 Überstunden im Monat. Als der junge Mann im März verschwand, hinterließ er eine Nachricht, in der es hieß, dass er „seine physischen und mentalen Grenzen erreicht“ habe. Im darauf folgenden Monat wurde seine Leiche entdeckt.

Die Eltern des 23-Jährigen stellten im Juli eine Schadensersatzforderung und verlangten von der Regierung, die Todesursache ihres Sohnes als „Tod durch Überarbeitung“ anzuerkennen. In Japan, das für seine langen Arbeitszeiten berüchtigt ist, werden jährlich hunderte Schlaganfälle und Herzinfarkte auf Überarbeitung zurückgeführt. Mit „karoshi“ gibt es im Japanischen sogar einen eigenständigen Begriff für jene tragischen Fälle. Das Arbeitsamt sei zum Schluss gekommen, dass der junge Mann „aufgrund exzessiver Arbeitsstunden am Olympiastadion“ psychisch erkrankt sei., teilte der Anwalt Hiroshi Kawahito mit.

Japan wird regelmäßig durch Fälle von „karoshi“ erschüttert. Für besonders viel Aufsehen sorgte zuletzt der Suizid der jungen Werbe-Angestellten Matsuri Takahashi, die regelmäßig mehr als 100 Überstunden in einem Monat anhäufte. Ähnlich große Wellen schlug der Tod einer 31-jährigen Journalistin des Senders NHK, die 2013 an Herzversagen starb, nachdem sie in einem Monat 159 zusätzliche Arbeitsstunden geleistet hatte.

Auf Druck der Öffentlichkeit stellte die Regierung einen Plan auf, der Arbeitgeber zu einer Anzahl von maximal 100 Überstunden im Monat verpflichten soll. Kritiker halten diesen Grenzwert immer noch für zu hoch angesetzt.




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