Letztes Update am Do, 12.10.2017 08:07

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Musikvideopionier, Regisseur und Filmemacher Hannes Rossacher wird 65



Wien (APA) - Er tourte mit den Rolling Stones, aß bei Freddie Mercury zu Abend und drehte an einem sonnigen Wochenende mit Bruce Springsteen in Berlin. Dabei stand er selbst nie im Rampenlicht, sondern hinter der Kamera: Der Regisseur und Filmemacher Hannes Rossacher wird am Montag (16. Oktoner) 65 Jahre alt. Seinen Geburtstag verbringt er in den USA, wo er an einem neuen Projekt arbeitet.

Dabei ist er mit dem Kölner Musiker Wolfgang Niedecken unterwegs, um „Dylan‘s Amerika“ zu drehen. Laut Rossacher „eine Spurensuche nach dem Amerika, welches der Nobelpreisträger Bob Dylan in seinen Liedern beschreibt, vor dem Hintergrund des heutigen Amerikas eines Donald Trump“. Er empfinde es als Privileg, in einem kreativen Beruf „ohne Ablaufdatum“ arbeiten zu dürfen, so der Regisseur gegenüber der APA. „Ich bin in der glücklichen Situation, dass ich meine zwei Leidenschaften - Musik und Filmemachen - zu einem Beruf machen konnte.“

Zusammen mit seinem mittlerweile ehemaligen Partner Rudi Dolezal begann er seine Karriere mit „Ohne Maulkorb“ beim ORF, schnell folgten mit „DoRo“ Musikvideoproduktionen für österreichische und internationale Künstler. Mitte der 1990er-Jahre begann Rossacher auch für Theater-und Klassikproduktionen zu arbeiten, seit einigen Jahren hat er seine Leidenschaft für den Dokumentarfilm entdeckt. Zu seinen jüngeren Arbeiten zählen etwa der Dokumentarfilm „Rammstein in Amerika“, der sich in 16 Ländern an die Spitze der DVD-Charts setzte, das Kraftwerk-Porträt „Pop Art“, das Grönemeyer-Porträt „Mensch! Herbert“ oder die Liveübertragung des Konzerts der Einstürzenden Neubauten aus der Elbphilharmonie. Auch bei der Konzertreihe „Berlin Live“, die von ARTE produziert wird, führt Rossacher Regie.

Seine Schulzeit verbrachte der am 16. Oktober 1952 geborene Oberösterreicher in einem Salzburger Internat, das vor allem als Experimentierstätte für erste Schwarz-Weiß-Fotografien diente. Nach der Matura ging er nach Wien, bewarb sich an der Filmakademie und wurde angenommen. Zu dieser Zeit kamen auch die ersten Musikvideos auf, im Zuge der ersten Programmreform suchte der ORF Jugendredakteure - Rossacher nutzte die Gelegenheit, wenig später war er mit Rudi Dolezal für „Ohne Maulkorb“ unterwegs und interviewte etwa Leonard Cohen, wenn er im Konzerthaus auftrat.

Zunehmend wurden auch österreichische Musiker auf das Phänomen Musikvideo aufmerksam: Auf Videos von Wolfgang Ambros, die das Duo „DoRo“ produzierte, folgten bald auch internationale Musiker. „Am Anfang haben wir das noch mit sehr viel Chuzpe gemacht und einfach behauptet: Wir können das.“ Der Erfolg habe jedoch schnell recht gegeben. Für Rossacher war die zweiwöchige Tour mit den Rolling Stones der Höhepunkt, wie er einmal sagte. Als eine der bekanntesten Produktionen gilt „Freddie Mercury, the Untold Story“ aus dem Jahr 2000. Nach vielen gemeinsamen Jahren trennten sich Rossacher und Dolezal wenige Jahre später und verfolgen seither eigene Projekte.

An die Stelle der Popmusik traten zunehmend Klassik- und Theateraufführungen. „Ich finde es durchaus altersadäquat, dass ich nicht mehr irgendwelchen Popacts aus den Singlecharts nachhechle“, so Rossacher. „Und das Theater von heute ist ja eine wahnsinnig spannende Fläche, da wird wesentlich mehr verhandelt als in der Popmusik.“ Es folgten etwa die Zusammenarbeit mit den Salzburger Festspielen und Produktionen mit der Schaubühne Berlin, David Garrett oder Lang Lang.

Seit einigen Jahren widmet sich der vielfach ausgezeichnete Steyrer verstärkt dem Dokumentarfilm. „Mit der Kamera auf die Realität draufzuhalten, gefällt mir“, so Rossacher. So hat er unter anderem die Doku „On Jack‘s Road“ (2012), einen Tourfilm über Udo Lindenberg (2016) und die Michael-Jackson-Dokumentation „Eine Karriere zwischen Schwarz und Weiss“ (2012) umgesetzt. Mit Lindenberg blieb er auch weiterhin verbunden: Rossacher zeichnete in den vergangenen Jahren für dessen Stadionshows als Bühnenregisseur verantwortlich, entwickelte Konzepte und realisierte alle Visuals der Videowände. Auf der laufenden Frankfurter Buchmesse wird am Wochenende ein großformatiger Bildband über die Produktion vorgestellt. Auch weitere Projekte mit Lindenberg sind in Planung.

(B I L D A V I S O - Fotos von Hannes Rossacher sind im AOM abrufbar.)




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