Letztes Update am Do, 12.10.2017 11:32

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Lufthansa übernimmt große Teile von Air Berlin



Zwei Monate nach der Pleite ist die Übernahme eines großen Teils der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin durch die Lufthansa unter Dach und Fach. Damit gehen voraussichtlich bis Jahresende 81 der zuletzt gut 130 Flugzeuge der Air-Berlin-Flotte an Eurowings, darunter auch die österreichische Tochter Niki und der Regionalflieger LGW, die beide nicht insolvent sind.

Der ehemalige Formel-1-Weltmeister und Pilot Niki Lauda hatte den Ferienflieger „flyniki“ 2003 gegründet, 2004 beteiligte sich die Air Berlin. 2011 stieg Lauda komplett aus der Airline aus. Nach der Air Berlin-Insolvenz bot Lauda mit einem Konsortium für eine Rückübernahme von Niki. Die Exklusiv-Verhandlungen der Gläubiger mit der Lufthansa kommentierte er enttäuscht und warnte vor einer zu großen Dominanz der deutschen Airline.

Man werde einen echten Meilenstein in der Geschichte von Lufthansa und Berlin sehen, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag in Berlin. „Heute in wenigen Stunden mit der Unterschrift wird die Lufthansa-Gruppe endgültig wieder zum Heimatcarrier für Berlin.“ Schließlich sei die Kranich-Airline 1926 in Berlin gegründet worden. Um 12.00 Uhr sei ein Notartermin vereinbart.

Die Aktien von Lufthansa und Air Berlin reagierten mit Kurssprüngen auf die Übernahme. Der Kurs der Lufthansa-Aktie legte um fast drei Prozent zu. Für die zuletzt besonders schwer gebeutelten Papiere von Air Berlin ging es um fast 23 Prozent nach oben.

Die Niki-Mutter Air Berlin - die nach dem AUA-Mutterkonzern Lufthansa bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie - hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb seitdem war nur durch einen Kredit des deutschen Staats über 150 Millionen Euro gesichert.

Die Geschäftsführung hatte drei Wochen lang exklusiv mit dem deutschen Marktführer Lufthansa sowie mit dem britischen Billigflieger Easyjet über den Verkauf von Teilen des hoch verschuldeten Unternehmens verhandelt. Fraglich war zuletzt, ob auch eine Einigung mit Easyjet gelingt. Der Billigflieger soll kleinere Teile von Air Berlin übernehmen. Spekuliert wird, ob im Falle eines Scheiterns die Thomas-Cook-Tochter Condor wieder als möglicher Käufer ins Spiel kommt.

Spohr hatte der „Rheinischen Post“ (Donnerstag) gesagt, Lufthansa werde von Air Berlin „voraussichtlich 81 Flugzeuge übernehmen, 3.000 Mitarbeiter einstellen und dafür in Summe 1,5 Milliarden Euro investieren“. Air Berlin hatte mitgeteilt, die Airline sehe gute Chancen, dass etwa 80 Prozent der 8.000 Mitarbeiter bei anderen Unternehmen einen neuen Arbeitsplatz erhalten könnten.

Spohr kündigte zugleich ein Angebot an, „um im Ausland gestrandeten Passagieren der Air Berlin die Heimreise zu einem fairen Preis anzubieten, sofern wir die Kapazitäten dafür haben“. Aus Lufthansa-Kreisen hieß es dazu, es sei schwer zu schätzen, um wie viele Passagiere es dabei gehe. Seit 25. September ist bekannt, dass Air Berlin alle verbliebenen Langstreckenflüge am 15. Oktober einstellt.

Generell wird Air Berlin voraussichtlich ab Ende Oktober nicht mehr unter eigener Flugnummer fliegen, wie es in einem Brief der Firmenleitung an die Mitarbeiter vom Montag hieß. Der insolventen Gesellschaft sei ein eigenwirtschaftlicher Verkehr unter dem Airline-Code AB „nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich“. Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit. Der Flugverkehr der nicht insolventen Töchter Niki und LG Walter soll weitergeführt werden.




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