Letztes Update am Do, 12.10.2017 12:16

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kosovarischer Premier Haradinaj: USA in Dialog mit Serbien einbinden



Prishtina (Pristina)/Belgrad (APA) - Der kosovarische Premier Ramush Haradinaj ist laut Medienberichten in Prishtina bemüht, in den seit Jahren von der EU geleiteten Normalisierungsdialog mit Belgrad nun auch die USA einzubinden. „Wir können den Dialog nicht fortsetzen, wenn die USA auch mit am Tisch sitzen“, wurde Haradinaj vom staatlichen TV-Sender RTK am Donnerstag zitiert.

Haradinaj kündigte zudem an, eine neue Verhandlungsplattform vorzubereiten. Er selbst sehe sich allerdings nicht als Teilnehmer des Dialogs, so der Premier mit Blick auf innenpolitische Themen.

Der von der EU initiierte politische Dialog zwischen Belgrad und Prishtina dauert seit 2012 an. Im April 2013 wurde eine Normalisierungsvereinbarung erzielt, die bisher allerdings nicht vollständig umgesetzt wurde. Während der Dialog früher auf der Ebene der Ministerpräsidenten geführt wurde, scheint seit dem Frühjahr klar zu sein, dass er künftig von den Präsidenten - Aleksandar Vucic und Hashim Thaci - fortgesetzt werden soll. In ihren früheren Ämtern als Ministerpräsidenten waren sie wiederholt in Brüssel zusammengekommen. Zuletzt trafen sie einander Ende August.

Belgrad beschuldigt Haradinaj der Kriegsverbrechen. Erst Anfang des Jahres war der aktuelle Premier in Frankreich auf Basis eines serbischen Haftbefehls vorübergehend festgenommen worden.

Prishtina bekundete in den letzten Tagen wiederholt seine Unzufriedenheit mit der Haltung der Europäischen Union zu dem jüngsten Staat Europas. Der Kosovo ist der einzige Westbalkanstaat, der noch nicht in die Gunst der EU-Visa-Liberalisierung gekommen ist. Brüssel beharrt auf der Erfüllung einiger Voraussetzungen, wobei die Ratifizierung eines im August 2015 mit Montenegro abgeschlossenen Grenzabkommens die wichtigste ist. Die nun regierende Allianz für die Zukunft Haradinajs hatte sich in den letzten zwei Jahren als Oppositionspartei der Ratifizierung des Abkommens heftig widersetzt.




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