Letztes Update am Do, 12.10.2017 12:40

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hypo-Prozess - „Hilltop war gutes Landbanking-Geschäft“



Klagenfurt (APA) - Der Hypo-Prozess wegen zweier Immobilienprojekte in Kroatien und Serbien am Landesgericht Klagenfurt ist am Donnerstag mit der Einvernahme des Ex-Vorstandes Günter Striedinger fortgesetzt worden. Am Vormittag war das Projekt „Hilltop“ auf der kroatischen Insel Pag Thema. Striedinger bekannte sich nicht schuldig. Er sei in das Projekt nicht involviert gewesen, sagte er.

Mit Striedinger angeklagt sind Ex-Vorstand Wolfgang Kulterer, der Steuerberater Hermann Gabriel sowie drei kroatische Geschäftsleute. Der Staatsanwalt wirft ihnen Untreue im Zusammenhang mit dem kroatischen Tourismusprojekt „Hilltop“ im Jahr 2003 und dem serbischen Wohnungsprojekt „Blok 67“ vor. Der Schaden soll insgesamt 23 Mio. Euro betragen.

Der Ex-Vorstand erklärte dem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Lisa Kuschinksy, Hilltop sei ein Projekt der „Serie B“ der Hypo-Geschäfte gewesen. Diese seien spekulativ gewesen, ein sogenanntes „Landbanking“, bei dem man interessante, lukrative Grundstücke erwarb, von denen man annahm, dass sie im Wert steigen würden. Das sei in diesem Fall auch der Fall gewesen. So habe die Hypo Consultants Liechtenstein das Grundstück um 37 Mio. Euro gekauft und kurz darauf 26 Prozent davon um 13,3 Mio. Euro verkauft. Das sei eine Steigerung des Quadratmeterpreises um neun Euro gewesen. Damit sei das Ziel, ein gutes „Landbanking-Geschäft“ zu machen, erreicht worden. Die Abdeckung von ausfallsgefährdeten Krediten sei in diesem Fall nur ein positiver Nebeneffekt gewesen, schilderte Striedinger.

Weiters sagte Striedinger, bei dem Grundstück habe es sich nicht um eine „Schafweide“ gehandelt, wie es in der Presse kolportiert worden sei. Eine solche Behauptung sei „dirty campaigning“. Das Land sei von Anfang an als touristisches Entwicklungsland gewidmet gewesen, das gehe aus den kroatischen Unterlagen, die ihm vorlägen, ganz klar hervor.

Die kroatischen Geschäftsleute hatten das Land kurze Zeit vorher um einen Preis von rund 4,5 Mio. Euro gekauft. Dazu sagte Striedinger, das sei ein irrealer Preis für so ein Grundstück, da seien sicher noch „Entwicklungskosten“ dazugekommen. Zum Vorhalt von Staatsanwalt Andreas Höbl, dass der Ausrufungspreis laut öffentlicher Ausschreibung noch deutlich darunter gelegen sei, sagte Striedinger, davon wisse er nichts.

Zu seinen Kontakten mit den angeklagten kroatischen Geschäftsleuten befragt, erklärte er, mit ihnen nie ein Gespräch zu Hilltop geführt zu haben. Das wäre zum Teil allein schon an den Sprachbarrieren gescheitert. Er habe mit dem Zustandekommen dieses Geschäfts ebenso wenig zu tun gehabt wie mit den in diesem Zusammenhang gegründeten Gesellschaften und wisse auch nichts über deren wirtschaftlich Berechtigte. Einen der drei habe er sogar erst im Zuge des Verfahrens kennengelernt.

Der Ex-Vorstand erklärte, eine Mitarbeiterin habe das Projekt an die Bank herangetragen. Dass die Idee von ihm gekommen sei, wie diese Mitarbeiterin im Ermittlungsverfahren ausgesagt habe, weise er entschieden zurück, antwortete er auf einen diesbezüglichen Vorhalt des Staatsanwalts.

Er habe den Antrag gelesen und eine Plausibilitätsprüfung durchgeführt. Aus seiner und Kulterers Sicht sei das Geschäft plausibel gewesen und daher hätten sie entschieden, es dem Aufsichtsrat zur Beschlussfassung vorzulegen. Entscheidungskompetenz habe er keine gehabt, der Aufsichtsrat hätte den Antrag auch ablehnen können.

Die Hauptverhandlung wurde am Nachmittag mit der weiteren Befragung Striedingers fortgesetzt.




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