Letztes Update am Do, 12.10.2017 13:01

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Air-Berlin-Übernahme - Lufthansa macht den Deal perfekt



Frankfurt/Berlin/Schwechat (APA/Reuters/dpa) - Die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa setzt zum Höhenflug an: Mit der Übernahme großer Teile der insolventen Konkurrentin Air Berlin baut der AUA-Mutterkonzern seine Marktführerschaft in Deutschland weiter aus. Im Tagesverlauf sollten die Verträge unterzeichnet werden, kündigte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag in Berlin an.

„Wir werden heute einen echten Meilenstein sehen in der Geschichte Lufthansa und Berlin.“ Schließlich sei die Lufthansa 1926 in Berlin gegründet worden. Und Spohr hat schon das nächste Ziel vor Augen. Sollte es einen Neustart bei der ebenfalls Pleite gegangenen Alitalia geben, wäre die Lufthansa an Gesprächen interessiert, sagte Spohr zu Reuters.

Die schon länger dahinsiechende Air Berlin ist seit Mitte August pleite. Wochenlang hatte Spohr hinter den Kulissen intensiv verhandelt. Nun steht fest: Die Lufthansa will mit den 81 der zuletzt gut 130 Flugzeuge der Air-Berlin-Flotte ihre Billigtochter Eurowings ausbauen, um sie für den Wettbewerb mit der irischen Ryanair und der britischen EasyJet zu stärken.

Spohr hatte bekräftigt, dass sein Unternehmen von Air Berlin voraussichtlich 81 Flugzeuge übernehmen, 3.000 Mitarbeiter einstellen und dafür in Summe 1,5 Milliarden Euro investieren werde. Die Beschäftigten der nicht insolventen Teilgesellschaften Niki und LG Walter werden Konzernkreisen zufolge direkt übernommen, die übrigen rund 1.500 Stellen sollen über Neu-Einstellungen bei der Lufthansa-Tochter Eurowings besetzt werden. Darauf könnten sich auch Air-Berlin-Mitarbeiter bewerben.

Um Jobs zittern unterdessen die Air-Berlin-Mitarbeiter von Verwaltung und Technik. Sie konnten sich diese Woche auf Job-Messen in der Konzernzentrale nach Stellen bei anderen Arbeitgebern umsehen. Air Berlin Technik hofft noch auf einen Käufer.

Ryanair-Chef Michael O‘Leary schimpfte sehr früh im Verkaufsprozess, Lufthansa und die deutsche Regierung hätten ein abgekartetes Spiel betrieben. Auch unterlegene Interessenten wie der Luftfahrt-Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl kritisierten, die Lufthansa werde zu einem Monopolisten im Heimatmarkt.

Ob der Kauf den Wettbewerb beschneidet, hat nach der Vertragsunterschrift die EU-Kommission zu prüfen. Spohr setzt darauf, dass die Behörde bis Jahresende grünes Licht gibt. Erst dann können die Maschinen den Besitzer wechseln. Kartellamtspräsident Andreas Mundt kündigte bereits an, dass die Wettbewerbshüter alles sorgfältig unter die Lupe nehmen würden. „Die Europäische Kommission wird sich das sehr genau ansehen“, sagte Mundt der „Rheinischen Post“ (Freitagausgabe). „Wir werden das dortige Verfahren begleiten.“

Die Kranich-Airline würde neben dem Kaufpreis, der Insidern zufolge bei rund 200 Millionen Euro liegt, noch 100 Millionen Euro vorschießen, um den Flugbetrieb aufrecht zu erhalten.

Air Berlin verhandelte neben der Lufthansa auch mit Easyjet über einen Teilverkauf. Spohr geht nach eigenen Worten aber nicht davon aus, dass es zeitnah weitere Abschlüsse gibt. Easyjet lehnte einen Kommentar dazu ab. Die Briten waren an rund 30 Flugzeugen interessiert, zögerten zuletzt aber. Sollte sich EasyJet zurückziehen, könnten die Thomas Cook-Tochter Condor oder andere Interessenten wieder ins Spiel kommen. Die Zeit drängt allerdings, weil Air Berlin zum Schutz der Gläubiger bis zum 28. Oktober den Flugbetrieb mit dem Teil der Flotte einstellen muss, der nicht zur Lufthansa wechselt. Zu den Gläubigern, die vorrangig bedient werden müssen, gehört die deutsche Bundesregierung mit ihrer Kreditlinie von 150 Millionen Euro.

Air Berlin war vor rund 40 Jahren gegründet worden. Dem Unternehmen wurde ein zu rasanter Expansionskurs zum Verhängnis. Zuletzt hielten nur noch Finanzspritzen vom Großaktionär Etihad die Flieger in der Luft.

~ ISIN DE0008232125 GB00B128C026 WEB http://www.lufthansa.com/

http://www.airberlin.com

http://www.flyniki.com ~ APA283 2017-10-12/12:58




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