Letztes Update am Do, 12.10.2017 15:16

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hypo-Prozess - Striedinger: „Projekt Blok 67 war extrem interessant“



Klagenfurt (APA) - Mit der Einvernahme zur Causa „Blok 67“ ist am Donnerstagnachmittag der Hypo-Prozess am Landesgericht Klagenfurt fortgesetzt worden. Ex-Vorstand Günter Striedinger, der sich nicht schuldig bekannte, bezeichnete das serbische Immobilienprojekt als „zum damaligen Zeitpunkt extrem interessant“.

Mit Striedinger der Untreue angeklagt sind im Fall „Blok 67“ aus den Jahren 2006/07 Ex-Vorstand Wolfgang Kulterer sowie der Steuerberater Hermann Gabriel und in der Causa „Hilltop“, die ebenfalls Teil der Anklage ist, auch drei kroatische Geschäftsleute. Der Staatsanwalt wirft den Angeklagten Untreue mit einem Schaden von insgesamt 23 Mio. Euro vor, davon betreffen 9 Mio. Euro „Blok 67“.

Striedinger erzählte, Gabriel sei mit diesem Projekt, der Errichtung einer Wohn- und Geschäftssiedlung in Belgrad für den Universitätssport-Wettbewerb „Universiade 2009“, an ihn herangetreten. Auch die Kollegen der Hypo Serbien haben dieses Projekt in einer Größenordnung jenseits der 100 Mio. Euro als „extrem interessant“ angesehen, so Striedinger. Zum damaligen Zeitpunkt habe es in der serbischen Hauptstadt eine große Nachfrage nach Wohnungen gegeben.

Gabriels Partner sei die Delta-Gruppe gewesen, damals das größte Unternehmen in Serbien, mit Kaufhäusern, Versicherungen und Milliarden-Umsätzen, erzählte der Ex-Vorstand weiter. Er habe den Kreditfall in der Hypo International dem entsprechenden Fachbereich zugeteilt. Diesen habe er eigens für die Finanzierung von Projekten, die ein Volumen von 100 Mio. Euro überschritten, gegründet.

Striedinger erklärte, er habe keine Detail-Unterlagen über das Projekt gehabt. Es habe in diesem Zusammenhang auch keine Weisung von ihm gegeben, sondern nur die Bitte, sich den Fall anzuschauen, ob er für das Haus interessant und machbar sei.

Der erste Antrag sei vom Kredit-Komitee, dem auch er angehörte, für eine neuerliche Bearbeitung zurückgewiesen worden. Schließlich sei ein Antrag auf einen Kredit von drei Mio. Euro und Haftungsgarantien von 54 Mio. Euro von allen vier Vorständen zur Weiterleitung an den Aufsichtsrat empfohlen worden.

„Als Sicherheit gab es eine Hypothek auf das Baurecht im ersten Rang und eine Verpfändung aller Geschäftsanteile von Blok 67 - war das ausreichend?“, fragte die Vorsitzende des Schöffensenats, Richterin Lisa Kuschinsky. „Für eine Projektfinanzierung waren damit alle Sicherheiten gegeben“, antwortete Striedinger. In Serbien habe man keinen Grund erwerben können, sondern lediglich das Baurecht, das Grundstück sei stets im Eigentum der Republik Serbien geblieben.

Zur Frage nach der Rolle Kulterers sagte Striedinger, seines Wissens sei Kulterer in dieses Projekt nicht involviert gewesen wäre. Gabriel habe den Kreditantrag gestellt und sonst keinerlei Einfluss auf ihn oder andere Mitarbeiter der Hypo genommen. Er, Striedinger, sei 2007 aus der Bank ausgeschieden und könne über die weitere Entwicklung der Angelegenheit nichts sagen, so Striedinger. Die Hypo übernahm in der Folge das Projekt, als es zu scheitern drohte.

Die Hauptverhandlung wurde auf 17. Oktober vertagt.

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