Letztes Update am Do, 12.10.2017 15:49

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Indische Religionsgruppe gegen U-Bahn - Entweihung von Tempelfeuern



Mumbai (Bombay) (APA/AFP) - Tausende indische Parsen haben sich gegen den Bau einer U-Bahn-Linie in der indischen Metropole Mumbai ausgesprochen, der mehrere Milliarden Dollar kosten soll. Die Mitglieder der Religionsgemeinschaft fürchten die Entweihung heiliger Tempelfeuer durch den Zugverkehr, wie aus einer Online-Petition hervorgeht.

Seit Mittwoch haben sich bereits mehr als 7.000 Unterzeichner gegen das städtische Bauvorhaben ausgesprochen. In der Petition auf change.org heißt es, dass ein Teil des geplanten U-Bahntunnels genau unter dem Wadia-Tempel im Süden Mumbais verlaufen würde - für die Parsen, auch Zoroastrier genannt, eine unerträgliche Vorstellung. Denn in dem Tempel befänden sich „lebendige, dynamische Wesen“, die „Vermittler zwischen Gott und der Menschheit“ seien und vor „physischer und spiritueller Verunreinigung“ geschützt werden müssten, hieß es zur Begründung.

Um die Tempelfeuer vor äußeren Einflüssen abzuschirmen, seien sie durch „magnetische Kreise“ von der Außenwelt abgetrennt, heißt es in der Petition weiter. „Sobald der Tunnel für die U-Bahn gegraben worden ist, werden die Magnetkreise durchbrochen und die negativen Kräfte physischer und spiritueller Verschmutzung die heiligen Feuer mit voller Wucht treffen.“ Die spirituelle Macht der Flammen würde dadurch geschwächt, befürchten die Anhänger der Gruppe.

Nach ihrer Verfolgung im alten Persien siedelten sich die monotheistischen Zoroastrier vor über tausend Jahren in Indien an. Wegen ihrer Herkunft sind sie auch als Parsi (von: persisch) bekannt. Obwohl Indien auch heute noch die größte Gemeinschaft der Zoroastrier beherbergt, hat sich ihre Anzahl seit 1940 auf 60.000 halbiert. Die Anhänger der Religion glauben an den Gott Ahura Mazda und folgen der Lehre des Propheten Zarathustra. Feuer gilt für sie als Symbol der Reinheit.

Dementsprechend vernichtend fällt auch das Urteil der Religionsgemeinschaft in ihrer Online-Petition aus: „Wenn diese heiligen Feuer besudelt werden, werden die Verantwortlichen nicht von der Gegenreaktion der Natur verschont bleiben!“, hieß es auf der Internetseite.

Die umstrittene U-Bahnlinie soll den beliebten Touristenort Colaba im Süden Mumbais mit der Sonderwirtschaftszone Seepz im Norden verbinden und bis 2021 fertiggestellt werden. Die Süd-Nord-Linie wird dringend benötigt, um die chronisch überfüllten Züge und ständig verstopften Straßen der indischen Großstadt zu entlasten. Aber auch Umweltaktivisten machen gegen das Projekt mobil, unter anderem weil dafür hunderte Bäume gefällt werden.




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