Letztes Update am Fr, 13.10.2017 00:37

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Geiseln in Pakistan freigelassen -Kanadier will nicht in die USA



Washington/Islamabad (APA/AFP) - In Pakistan ist eine US-Bürgerin zusammen mit ihrem kanadischen Mann und ihren drei Kindern nach fünfjähriger Geiselhaft freigekommen. Die Familie sei in der Gewalt der Haqqani-Gruppe gewesen, „einer Terrororganisation mit Verbindungen zu den Taliban“, erklärte US-Präsident Donald Trump am Donnerstag in Washington. Der Kanadier Joshua Boyle weigerte sich jedoch, ins Flugzeug in die USA zu steigen.

Die Familie befand sich daher zunächst weiter in Pakistan. Boyle und seine Frau, die US-Bürgerin Caitlan Coleman, waren 2012 in Afghanistan von der Haqqani-Gruppe gefangen genommen worden. Trump bestätigte, dass die Frau „während der Gefangenschaft drei Kinder zur Welt brachte“.

Nach Angaben des pakistanischen Militärs wurde die Familie im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet gefangen gehalten. Die fünf Geiseln seien nun aber in Sicherheit und würden so schnell wie möglich in ihre Heimatländer zurückgebracht, erklärte die pakistanische Armee.

Allerdings wollte das Ehepaar zunächst nicht das Militärflugzeug besteigen, das sie in die USA bringen sollte, wie es aus US-Militärkreisen hieß. Boyle fürchtete demnach, in den USA Probleme zu bekommen, weil er Kontakte zu einem früheren Insassen des US-Gefangenenlagers Guantanamo hatte.

Boyle war 2009 für kurze Zeit mit Zaynab Khadr verheiratet gewesen, der Schwester des in Kanada geborenen früheren Guantanamo-Häftlings Omar Khadr. Der US-Militärvertreter sagte, die USA hätten „so etwas nicht vor“. „Wir sind darauf eingestellt, sie zurück nach Hause zu bringen.“

Trump stellte die Befreiung als Folge seiner härteren Gangart gegenüber Pakistan dar und stellte eine Verbesserung der Beziehungen in Aussicht. Er sprach von einem“positiven Moment“ in den Beziehungen der USA zu Pakistan.

Den USA sei es mit Unterstützung der pakistanischen Regierung gelungen, die Geiseln zu befreien: „Die Kooperation der pakistanischen Regierung ist ein Zeichen dafür, dass sie Amerikas Bitten zur Verbesserung der Sicherheitslage in der Region anerkennt.“ Der US-Präsident hofft nun auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit, „um weitere Geiseln zu befreien“, sowie bei Anti-Terror-Operationen.

Pakistan wird von Kritikern immer wieder vorgeworfen, sein Geheimdienst unterstütze teilweise die radikalislamische Taliban oder andere islamistische Organisationen. Trump hatte Pakistan Ende August sogar mit dem Verlust seines Sonderstatus als Verbündeter der USA gedroht. Pakistan ist eines der 16 Länder, die nicht Mitglieder der NATO-Militärallianz, aber privilegierte Partner der USA sind. Der Status sieht eine enge militärische Zusammenarbeit mit Washington vor.




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