Letztes Update am Fr, 13.10.2017 06:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Slowenien-Präsidentenwahl: Viele Kandidaten - kaum Erfolgschancen



Ljubljana (APA) - Bei der slowenischen Präsidentenwahl stellen sich neun Kandidaten zur Wahl. Für slowenische Verhältnisse ist die Bewerberanzahl groß: Nur im Jahr 2002 gab es so viele Anwärter. Noch nie zuvor standen allerdings so viele Frauen im Rennen: gleich fünf Kandidatinnen treten an und haben erstmals zahlenmäßig die männlichen Mitbewerber übertroffen. Vor fünf Jahren waren nur drei Männer angetreten.

Freilich wird das Präsidentenamt auch diesmal fest in Männerhand bleiben. Mit Amtsinhaber Borut Pahor und dem Bürgermeister von Kamnik, Marjan Sarec, werden sich nämlich zwei Männer die Sache untereinander ausmachen - wenn es überhaupt zu einer Stichwahl kommen wird.

Für die sieben anderen Kandidaten dürfte die Kampagne nicht umsonst gewesen sein. Schließlich ist die Präsidentenwahl auch eine Art Generalprobe für die Parlamentswahlen im kommenden Jahr. Vor allem kleinere Parteien nutzen die Bühne, um Punkte für sich und ihre Spitzenkandidaten zu sammeln.

Von den restlichen Kandidaten schneidet am besten die konservative Europaabgeordnete Romana Tomc ab, die für die größte Oppositionspartei SDS (Slowenische Demokratische Partei) an den Start geht. In den Umfragen liegt die 51-jährige Politikerin, die sich viel gemäßigter positioniert als SDS-Chef Janez Jansa, auf dem dritten Platz.

Hinter Tomc kommt die Chefin der oppositionellen Christdemokraten NSi (Neues Slowenien), Ljudmila Novak. Die 58-jährige ist langjährige Vorsitzende der kleinen konservativen Partei, die davon träumt, eine slowenische Angela Merkel zu werden. Für die früheren Schwesterparteien NSi und SDS hat die Präsidentenwahl auch den Charakter eines Kräftemessens mit Blick auf die kommende Parlamentswahl.

Auch die Regierungspartei SMC (Partei des modernen Zentrums) von Ministerpräsident Miro Cerar setzt auf Frauenpower. Obwohl ihre Kandidatin, Bildungsministerin Maja Makovec Brencic, in ihrer Freizeit boxt, konnte sie sich in den Umfragen nicht aus den hinteren Reihen nach vorne durchboxen. Die 48-jährige Ökonomieprofessorin dürfte kaum ein respektables Ergebnis erreichen und damit die Krise der Regierungspartei, die in den Umfragen hinter die SDS und die mitregienden Sozialdemokraten zurückgefallen ist, vertiefen.

Mit Kandidatinnen wollen auch zwei außerparlamentarische Parteien Punkte sammeln: die Volkspartei (SLS), die 2014 aus dem Parlament flog, strebt im kommenden Jahr den Wiedereinzug an. Ihre Kandidatin, die 38-jährige Suzana Lara Krause, soll eine erneuerte SLS repräsentieren. Überzeugt hat die unbekannte Politikerin jedoch nicht, in den Umfragen liegt sie auf dem letzten Platz.

Viel bekannter ist Angelca Likovic (73). Die pensionierte Lehrerin und Kommentarin in Realityshows liegt in den Umfragen dennoch weit hinten. Als kompromisslose Christin und Abtreibungsgegnerin ist Likovic ein Aushängeschild für die neue erzkonservative Partei „Stimme für Kinder und Familien“ (GOD). Die Partei wurde von Aktivisten gegründet, denen es zwei Mal gelungen ist, die Homo-Ehe in einer Volksabstimmung zu kassieren.

Eigenwerbung machen auch umstrittenere Politiker. Der Rechtsextreme Andrej Sisko (48) kandidiert, um vor den Parlamentswahlen seine nationalistische Partei „Vereintes Slowenien“ (Zedinjena Slovenija) dem TV-Publikum zu präsentieren. Sisko ist auch der langjährige Chef des heimatverbundenen Vereins Hervardi, der ausländer-, islam- und schwulenfeindliche Positionen vertritt. In seinem Garten hat der Politiker, der wegen versuchten Mordes zwei Jahre im Gefängnis saß, eine Replik des Kärntner Fürstensteins stehen. Der auf das frühmittelalterliche Slawen-Fürstentum Karantanien zurückgehende Stein gilt in Slowenien als Symbol der slowenischen Staatlichkeit.

Weit hinten in den Umfragen liegt auch der korruptionsumwitterte langjährige Bürgermeister von Koper, Boris Popovic. Der 54-Jährige führt die Hafenstadt seit 15 Jahren in der Manier eines „lokalen Sheriffs“ und zeigt mit seiner Kandidatur neuerliche Ambitionen für einen Einstieg in die nationale Politik bei der kommenden Parlamentswahl. Im Jahr 2004 hatte er mit einer Bürgermeisterliste den Einzug ins Parlament deutlich verfehlt.




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