Letztes Update am Fr, 13.10.2017 06:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Slowenien: Seriöser Ex-Komiker fordert „Instagram-Präsidenten“ heraus



Ljubljana (APA) - Bei der slowenischen Präsidentenwahl steht die politische Welt auf dem Kopf. Während Amtsinhaber Borut Pahor mit teils kindischen Instagram-Postings weltweit Schlagzeilen macht, fordert ihn ein Ex-Comedian mit bierernster Attitüde heraus. Einst zog Marjan Sarec (40) als Imitator die Politiker durch den Kakao, nun wirbt er mit Worten wie „Verantwortung“, „Ordnungsliebe“ und „Professionalität“.

Der Bürgermeister der Stadt Kamnik liegt in den Umfragen an zweiter Stelle und könnte Pahor in eine Stichwahl zwingen. „In diesem Fall hätten wir eine interessante Situation: der ehemalige Witzbold würde einen seriösen Kandidaten spielen, während der langjährige Politiker und Präsident den Witzbold gibt“, kommentiert der Politikexperte Vlado Miheljak gegenüber der APA.

Als Schauspieler imitierte Sarec in Satiresendungen in Fernsehen und Radio Politiker wie die früheren Präsidenten Janez Drnovsek und Danilo Türk, Außenminister Karel Erjavec und vor allem Oppositionsführer und Ex-Premier Janez Jansa. Pahor gehörte nicht zu seinem Repertoire. Noch legendärer sind seine Auftritte als Ivan Serpentinsek. Die Kunstfigur stellt einen hemdsärmeligen Slowenen vom Land dar, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt.

Als Politiker setzt Sarec auf Seriosität. „Die Funktion des Präsidenten liegt nicht darin, die Menschen zu amüsieren“, mahnte er in einem Interview für die Tageszeitung „Delo“. Die Kritik zielt direkt auf den Amtsinhaber, der sich immer wieder in gefälligen Posen inszeniert und während seines ersten Wahlkampfes im Jahr 2012 den Otto Normalverbraucher so zu imitieren schien wie Sarec früher die Politprominenz.

Dieser zeigt sich heute kritisch an dieser Art der Politikvermittlung. Die Wahlkampagne sei eine Mischung aus Talk- und Realityshows, gelegentlich unterbrochen „von 30 Sekunden langen politischen Standpunkten“, kritisiert Sarec gerade auch die Oberflächlichkeit des Medienbetriebs, der ihn groß gemacht hat.

Seine Bekanntheit ist sicher einer der Gründe, warum Sarec in der Wahlkampagne schnell Fuß fassen konnte. Politische Fehltritte hat sich der im Jahr 2014 mit 63,8 Prozent im Amt bestätigte Bürgermeister bisher nicht erlaubt. In TV-Debatten macht er mit konzisen und durchdachten Standpunkten auf sich aufmerksam. Politisch lässt er sich schwer fassen. Er beschreibt sich als Mittepolitiker „mit einer leichten Schlagseite nach links“, ist aber auch Kirchenbesucher.

Experten sehen Sarec auch deshalb als schärfsten Herausforderer des Amtsinhabers, weil er dessen authentischere Ausgabe ist. „Sarec ist eine bodenständige Version von Pahor“, meinte der Kommunikationsexperte Janez Rakuscek jüngst im slowenischen Fernsehen. „Wenn Borut Pahor in der Wahlkampagne einen Feuermann spielt, dann ist Sarec wirklich einer. Er ist ein Familienmensch und gibt zu, gläubig zu sein. All das, was bei Pahor manchmal als künstlich und vorgespielt erscheint, ist bei Marjan Sarec die Wahrheit und ein Teil seines Lebens.“

Miheljak verweist ebenfalls auf die Parallelen zwischen Pahor und Sarec, der aber „etwas seriöser als der aktuelle Präsident wirkt“. Anders als Pahor habe er nicht um jeden Preis ein Lächeln im Gesicht. „Wenn die Menschen davon genug haben, dann haben sie im Sarec einen seriöseren Kandidaten gefunden. Jemanden, der weniger pathetisch ist als Pahor“, meint der Experte. Der Amtsinhaber scheint die Botschaft verstanden zu haben, tritt er in der Wahlkampagne doch deutlich seriöser auf als zuvor.

Sarec spielt im Wahlkampf auch die Erneuerungskarte und weist darauf hin, dass der amtierende Präsident schon seit über zwei Jahrzehnten in führenden Positionen in der slowenischen Politik tätig ist, als Parlamentschef, Parteichef, Premier und Staatsoberhaupt. Die jetzige Politikergeneration gehöre weg, weil sie immer die gleiche Politik gemacht habe. „Wenn einer durchgehend alles gleich macht, dann sind sie auch die Ergebnisse immer gleich“, sagte er in einem Interview für die Tageszeitung „Mladina“.

Zum Sieg dürfte es für Sarec nicht reichen. Umfragen zeigen, dass er in der Stichwahl deutlich hinter Pahor liegen würde. Einer der Gründe dafür ist, dass er nicht auf die Unterstützung der rechtsgerichteten Opposition bauen kann. Sie wirft ihm sogar vor, eine Marionette ihres Gottseibeiuns, des politisch immer noch einflussreichen Ex-Präsidenten Milan Kucan zu sein.

Die politischen Ambitionen von Sarec scheinen mit der Präsidentenwahl nicht zu enden. Spekulationen über ein Antreten bei der Parlamentswahl im kommenden Sommer dementiert er nicht. „Derzeit ist meine Ambition, Präsident zu werden“, sagte Sarec der Tageszeitung „Delo“. Er wolle den Ausgang der Wahl abwarten. „Wenn mich jemand noch wo anders sehen wird, ist gut, wenn nicht, dann eben nicht.“




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