Letztes Update am Fr, 13.10.2017 08:58

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lau: Yasmina Rezas „Gott des Gemetzels“ in Berndorf



Berndorf (APA) - Die Festspiele Berndorf haben - gleichsam als Appendix zum sommerlichen Theaterfest NÖ - am Donnerstagabend Yasmina Rezas Erfolgsstück „Der Gott des Gemetzels“ in einer eher lauen Inszenierung von Vicki Schubert im Stadttheater präsentiert. Die Premiere wurde freundlich aufgenommen, doch ein großer Wurf ist es nicht geworden.

Rezas Vierpersonenstück wird seit seiner Uraufführung 2006 unentwegt auf- und abgespielt und gilt als einer der größten Bühnenerfolge der letzten Jahrzehnte. Die beiden Ehepaare, die sich wegen einer Prügelei zwischen ihren Söhnen buchstäblich in die Haare geraten, sind und wären Paraderollen für Charakterschauspieler.

Hier jedoch scheint man eher auf den Unterhaltungseffekt zu schielen. Das daraus resultierende grundlegende Missverständnis beruht wohl darauf, dass es sich bei diesem Kammerstück eben nicht um eine flache Boulevardkomödie handelt, bei der man sich zurücklehnen und den allseits nervenden Wahlkampf vergessen kann, wie ein Begrüßungsstatement suggerierte, sondern um ein raffiniertes, dramaturgisch klug entworfenes Setting, das aus einem pseudokultivierten Konfliktlösungsversuch in eine tatsächliche Eskalation unterdrückter Aggressionen mündet.

In Berndorf wird das leider gar nicht deutlich: Zu unscharf bleibt die psychologische Gestaltung der Personen, die als zweidimensionale Abziehbilder agieren, zu wenig Zeit wird zur Verfügung gestellt, um Entwicklungen und Interaktionen den erforderlichen Raum zu geben. Da outet sich die Alkoholikerin von einem Moment auf den anderen, wirken emotionale Ausbrüche völlig unmotiviert, weil unvorbereitet, gehen überdies ganze Passagen akustisch verhaspelt unter. Da fehlen Tiefe, Abgründe, entscheidende Zwischentöne.

Intendantin Kristina Sprenger als Gutmenschin Veronique - zumeist wie eine Comicfigur grimassierend durch die von Martin Gesslbauer recht spießig eingerichtete Dachgeschoßwohnung trippelnd - verströmt gewohnt herben Charme, als Michel wirkt Alexander Jagsch diesmal erstaunlich schaumgebremst. Maddalena Hirschal ist eine bemühte, doch recht blasse Annette. Lediglich Stefano Bernardin überzeugt in der Rolle des Anwalts Alain als alerter Prototyp eines fies-smarten Neo-Yuppies.

Bekannt ist bereits das nächstjährige Programm der Festspiele Berndorf. Marc Camolettis Komödie „Boeing Boeing“ läuft ab 2. August 2018, im Oktober steht Daniel Glattauers „Die Wunderübung“ auf dem Spielplan. Als Kindertheater-Produktion wird „Bakabu und der goldene Notenschlüssel“ von Ferdinand Auhser angekündigt (13. bis 24. Juni 2018).

(S E R V I C E - Festspiele Berndorf, Stadttheater: Yasmina Reza, „Der Gott des Gemetzels“. Weitere Vorstellungen bis 28. Oktober. Information und Tickets: Tel. 02672/82253-43, www.buehnen-berndorf.at)




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