Letztes Update am Fr, 13.10.2017 10:52

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Weinstein-Skandal zieht immer größere Kreise



Los Angeles (APA/dpa) - Der Skandal um sexuelle Belästigung durch den Hollywood-Mogul Harvey Weinstein nimmt immer größere Ausmaße an. Die Polizeibehörden in New York und London kündigten am Donnerstag an, Ermittlungen aufnehmen zu wollen. Die Oscar-Akademie will am Samstag über einen Ausschluss des Produzenten beraten. Unterdessen melden sich immer neue Schauspielerinnen mit Vorwürfen gegen Weinstein.

Als sie 17 war habe sie der Produzent im Bademantel in einem Hotelzimmer empfangen und ihr Alkohol angeboten, schrieb die Schauspielerin Kate Beckinsale auf Instagram. Ihre Kollegin Cara Delevingne berichtete, Weinstein habe sie in einem Hotelzimmer aufgefordert, eine andere Frau zu küssen und dann selbst versucht, sie zu küssen.

Die New Yorker Polizei kündigte an, eine eigentlich bereits abgeschlossene Ermittlung gegen Weinstein aus dem Jahr 2004 neu aufzurollen. Es werde untersucht, ob es zusätzliche Beschwerden und Hinweise zu dem Fall gebe. Einzelheiten wollte die Polizei zunächst nicht nennen.

Auch die Polizei in London erwägt nach britischen Medienberichten ein Ermittlungsverfahren gegen den Produzenten. Scotland Yard bestätigte, dass die Polizei den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs prüfe, der von den Kollegen in Liverpool weitergeleitet worden sei. Es handle sich um einen Vorfall aus den 1980er-Jahren, teilte die Polizei in Liverpool mit. Details veröffentlichte die Polizei jedoch zunächst nicht.

Die Oscar-Akademie in Los Angeles hatte zuvor mitgeteilt, dass bei einer Dringlichkeitssitzung am Samstag über den möglichen Ausschluss von Weinstein beraten werden solle. Das in Vorwürfen beschriebene Verhalten Weinsteins sei „widerlich, abscheulich und gegensätzlich zu den hohen Standards der Akademie und der kreativen Gemeinschaft, für die sie steht“, zitierte der „Hollywood Reporter“ aus einem Statement der Academy.

Weinstein ist seit mehr als 20 Jahren Mitglied des mächtigsten Verbands der US-Filmindustrie. Seine mit den Miramax-Studios und der Weinstein Company produzierten Filme wurden von der Academy mit insgesamt 81 Oscars ausgezeichnet. Fünf davon gewannen den Oscar als bester Film, für „Shakespeare in Love“ gewann Weinstein persönlich den Oscar als bester Produzent. In den vergangenen Tagen haben ihm zahlreiche Frauen Vorwürfe wegen sexueller Belästigung bis hin zu Vergewaltigung gemacht, zahlreiche prominente Weggefährten haben sich distanziert.

Hollywood-Star Ryan Gosling kündigte an, die Opfer, die sich im Skandal um Weinstein öffentlich äußern, zu unterstützen. „Ich bin von mir selbst zutiefst enttäuscht, dass ich diese verheerenden Erlebnisse sexueller Belästigungen und Misshandlungen nicht bemerkt habe“, twitterte Gosling am Donnerstag. Er habe mit Weinstein, wie so viele in Hollywood, zusammengearbeitet. „Er steht symbolisch für ein systematisches Problem. Männer sollten zu den Frauen halten und gemeinsam dafür kämpfen, bis die Leute Rechenschaft ablegen und es zu Veränderungen kommt.“

Neben dem kanadischen Schauspieler haben sich auch Filmstars wie Tom Hanks und Leonardo DiCaprio deutlich gegen Weinstein positioniert. Regisseur Oliver Stone wollte die „Gerüchte“ hingegen nicht weiter kommentieren. „Ich glaube, man sollte abwarten, bis es zu einem Prozess kommt. Ein Mann sollte nicht von einem System der Selbstjustiz verurteilt werden“, sagte Stone dem „Hollywood Reporter“ zufolge am Freitag vor Journalisten in Südkorea.

Für Model und Moderatorin Heidi Klum weist der Skandal um Weinstein auf ein größeres Problem hin. „Ich wünschte, die grausamen Geschichten, die ich über Harvey Weinstein lese, seien eine seltene Erscheinung in unserer Gesellschaft. Aber das stimmt einfach nicht. Wir sollten nicht so naiv sein zu denken, dass solch ein Verhalten nur in Hollywood passiert“, sagte Klum dem „People“-Magazin. Es sei nur ein Beispiel dafür, wie schlecht Frauen weltweit noch behandelt würden, betonte die 44-Jährige.

Das zum Onlineriesen Amazon gehörende Filmstudio geriet unterdessen in den Strudel um Hollywood-Mogul Weinstein. Das Studio suspendierte am Donnerstagabend seinen Chef Roy Price. Zuvor hatte die US-Schauspielerin Rose McGowan Amazon-Chef Jeff Bezos auf Twitter öffentlich angegriffen: Sie habe Price „wieder und wieder“ gesagt, dass „HW“ sie vergewaltigt habe, ohne dass dieser reagiert habe.

Price selbst wird vorgeworfen, eine Mitarbeiterin der Amazon Studios mit sexuellen Bemerkungen bloßgestellt zu haben. „Roy Price ist ab sofort beurlaubt“, sagte ein Sprecher der Amazon Studios. Für die Projekte, die Amazon derzeit mit Weinsteins Produktionsfirma durchführe, „erörtern wir unsere Möglichkeiten“.

„Ich habe dem Chef Ihres Studios gesagt, dass HW mich vergewaltigt hat. Wieder und wieder habe ich es gesagt. Er sagte, das sei nicht bewiesen worden. Ich sagte, ich sei der Beweis“, twitterte Schauspielerin Rose McGowan an die Adresse von Jeff Bezos, ohne die Initialen HW aufzuschlüsseln. In einem früheren Tweet hatte sie Weinstein bereits in den Zusammenhang zu Vergewaltigungen gerückt. Weinstein hatte über eine Sprecherin erklärt, er bestreite, nicht-einvernehmlichen Sex mit irgendjemandem gehabt zu haben.




Kommentieren