Letztes Update am Fr, 13.10.2017 11:13

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zukunftsvorsorge-Verträge sinken weiter - Kosten knabbern Rendite an



Wien (APA) - Bei der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge (PZV), die staatlich gefördert wird, ist 2016 das vierte Jahr in Folge die Zahl der Verträge gesunken, dennoch erhöhte sich das verwaltete Vermögen weiter. Die ohnedies geringe Verzinsung wird durch die von den Anbietern verrechneten Kosten „beträchtlich reduziert“, teils um bis fast die Hälfte, warnte die Finanzmarktaufsicht (FMA) am Freitag.

Im extremsten Fall beträgt die Minderung der Gesamtverzinsung 46 Prozent, wodurch den Kunden von 2,5 Prozent Verzinsung effektiv nur 1,35 Prozent weitergegeben wurden, erklärt die Behörde in ihrem neuen PZV-Jahresbericht.

Deshalb empfiehlt der FMA-Vorstand den Verbrauchern, die ihnen zur Verfügung stehenden Informationen „sehr genau zu analysieren“, gerade im Hinblick auf die langen Laufzeiten. Denn 70,1 Prozent der Verträge würden mehr als 25 Jahre laufen, mehr als ein Viertel (25,9 Prozent) sogar über 45 Jahre. Transparenter geworden sind die Kosten infolge der per Anfang 2016 durch die Aufsichtsbehörde verschärften Informationspflichten.

Das in der PZV verwaltete Vermögen stieg 2016 um 2,9 Prozent auf 8,4 Mrd. Euro. Dabei stieg es bei den Versicherungen um 4,6 Prozent auf 8,2 Mrd. Euro und ging bei den Kapitalanlagegesellschaften (KAG) um 35 Prozent auf 236 Mio. Euro zurück. Grund für den Rückgang ist, dass die Fondsgesellschaften seit 2010 kein Neugeschäft mehr schreiben und die bestehenden Verträge mit ausschließlich zehn Jahren Laufzeit nun großteils auslaufen.

Die Gesamtzahl der Verträge der PZV war 2016 das vierte Jahr in Folge rückläufig. Der Bestand sank um 8,5 Prozent auf 1,377.272 Verträge per Ultimo. Dabei schrumpfte der Bestand in der Assekuranz um 6,7 Prozent, bei den KAG sogar um 57 Prozent. Die Zahl der Neuverträge der Assekuranz sank um 19 Prozent auf 18.474 Stück - 2015 hatte es noch 22.907 Neuverträge gegeben, 2014 sogar 29.030. Auch gab es zuletzt nur noch 12 aktive Anbieter. Auch in den kommenden Jahren sei mit einer stark fallenden Anzahl der PZV-Verträge zu rechnen, erklärt die FMA, nicht zuletzt weil 2017 voraussichtlich nur noch sieben aktive Anbieter im Markt verbleiben würden.

Die abgegrenzten Prämien bzw. Nettoeinzahlungen gaben 2016 um 6,2 Prozent auf 914 Mio. Euro nach, bei den Versicherungen um 4,55 Prozent auf 896 Mio. Euro, bei den KAG um 50 Prozent auf 17,9 Mio. Euro. 2016 bestand der PZV-Markt aus 20 Versicherungen und fünf KAG. Die Konzentration in dem Sektor ist hoch: Der Marktanteil der Top-3-Anbieter lag voriges Jahr erneut bei 54 Prozent des gesamten lukrierten Prämienvolumens.

Bei zwei Prozent aller aufrechten Verträge, konkret 26.952 zu Ende 2016, wurde die ertragswirksame Aktienquote auf unter ein Prozent reduziert, um zumindest das eingezahlte Kapital garantiert wieder auszahlen zu können, so die FMA. Zur Abdeckung der Garantien müssten einige Versicherer in den nächsten Jahren über zwei Prozent p.a. erwirtschaften, heißt es in der PZV-Studie. Auch über längere Horizonte müssten teils konsistent über ein Prozent p.a. erzielt werden, um bisherige Garantien abzudecken.

Die erzielte Performance war 2016 durchaus unterschiedlich: Die Versicherungen brachten es im Median auf 3,96 Prozent Plus (mit einer Streuung zwischen +0,29 und +17,20 Prozent), bei den KAG kam jedoch eine Minus-Performance von 0,05 Prozent heraus (Bandbreite -2,15 bis +1,14 Prozent). Dies bedeutete im gewichteten Durchschnitt bei den Versicherungen eine Jahresperformance von +5,93 Prozent, bei den KAG von -0,17 Prozent.

Das Problem „ausgestoppter Verträge“ betrifft primär die KAG, dort immerhin 16,7 Prozent, also ein Siebentel der Verträge - bei Versicherungen nur 1,7 Prozent. Dabei ist das bis zur Ausstoppung angesammelte Kapital in Festverzinsliche investiert, weitere Einzahlungen werden in einen Mix aus Aktien und Anleihen gesteckt. Deshalb sei die Performance der KAG in der Vergangenheit vorwiegend von der Anleihenentwicklung abhängig gewesen, so die FMA. Generell lasse sich davon aber keine Überlegenheit der einen oder anderen Anbietergruppe ableiten.

Die staatliche Förderung betrug in den letzten vier Jahren 4,25 Prozent der eingezahlten Prämie. 2010 hatte sie noch 9 Prozent ausgemacht. Die höchstmögliche prämienbegünstigte Einzahlung ist von 2.561,22 Euro im Jahr 2015 auf zuletzt 2.676,89 Euro gestiegen. Die höchstmögliche staatliche Prämie für 2016 lag mit 113,77 Euro erneut über dem Vorjahreswert (108,85 Euro), aber deutlich unter dem Höchstwert 2009 von 210,35 Euro.

~ WEB http://www.fma.gv.at ~ APA187 2017-10-13/11:10




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