Letztes Update am Fr, 13.10.2017 12:49

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Rothensteiner fordert von Politik aktiven Einsatz für Regionalbanken



Wien (APA) - Walter Rothensteiner, Ex-Chef der Raiffeisen Zentralbank (RZB) und jetziger Generalanwalt des Österreichischen Raiffeisenverbandes (ÖRV), fordert von den österreichischen Politikern, sich aktiv und offensiv für den Erhalt der Regionalbanken einzusetzen. „Sonst droht der Verlust von Arbeitsplätzen und regionaler Wertschöpfung“, warnte Rothensteiner am Freitag in einem Pressegespräch in Wien.

Es bestehe die Gefahr, dass die Fusionen im Bankensektor weiter anhalten, mit negativen Folgen für die Menschen und Betriebe im ländlichen Raum. Laut Rothensteiner hat sich seit 2008 die Anzahl der selbstständigen und unabhängigen Raiffeisenbanken um ein Viertel von 570 auf 434 vermindert.

Die kleinen regionalen Raiffeisenbanken seien als Nahversorger für finanzielle Dienstleistungen das Rückgrat der regionalen Wirtschaft, betonte Rothensteiner. Sie seien ein gesellschafts- und regionalpolitisch unverzichtbarer Faktor und nicht nur kleine Unternehmen. „Sie kümmern sich um unsere Zivilgesellschaft.“ Unterstützt sieht sich Rothensteiner mit seiner Forderung auch durch eine kürzlich vorgestellte GfK-Studie, wonach sich die überwiegende Mehrheit für den Erhalt regionaler und lokaler Banken ausspricht.

Um verstärkt auf die Interessen der kleinen und lokalen Raiffeisenbanken hinzuweisen, hat der Raiffeisenverband die Initiative „Regional.Stark“ gegründet, die im Internet unter „www.regionalstark.at“ auftritt. Gefordert werden Verhältnismäßigkeit in der Regulierung mit einer stärkeren Unterscheidung zwischen Groß- und Regionalbanken, eine Nachdenkpause bei den geplanten neuen Eigenkapitalvorschriften (Basel IV), keine zentrale Einlagensicherung in der EU, ein Ende der für die Regionalbanken besonders schädlichen Nullzinspolitik und ein rot-weiß-roter Schulterschluss für die österreichischen Regionalbanken.

Mit welchen Problemen eine Regionalbank derzeit zu kämpfen hat, erläuterte Alfons Neumayer, Geschäftsleiter der Raiffeisenbank Wienerwald und Präsident des Dachverbandes der Geschäftsstellenleitervereinigung. Laut Neumayer hat sein Institut, dessen Geschäftsmodell sich seit 130 Jahren nicht geändert habe und von der Hereinnahme von Einlagen und der Vergabe von Krediten lebt, vor allem mit der Nullzinspolitik große Probleme. „Das kann sich auf Dauer nicht ausgehen“, meinte Neumayer.

Weiters würde die Neuregelung bei der Vergabe von privaten Immobilienkrediten dazu führen, dass man etwa jungen Familien kaum mehr einen Kredit erlauben könnte, da die Raten aus dem laufenden Einkommen bedient werden müssten. Eine etwaige Hilfestellung durch die Eltern dürfe nicht mehr angesetzt werden. Damit sei der Kredit formal nicht mehr darstellbar und dürfe nicht mehr vergeben werden. „Das ist praxisfremd“, so Neumayer.

Auch die steigenden Regulierungskosten seien ein Problem. Sein Institut halte zu den 90 Mitarbeitern bereits sieben weitere Mitarbeiter vor, nur um die zusätzlichen regulatorischen Anforderungen erfüllen zu können. Die Risikosituation habe sich dadurch nicht geändert.

Weiters werde die Finanzierung von Immobilienprojekte deutlich erschwert, weil sie in Zukunft mit drei Mal soviel Eigenkapital unterlegt werden müssten. Man müsste also mehr Ergebnis erwirtschaften, was bedeute, dass etwa Wohnbaukredite um bis das Dreifache teurer werden, damit sich das rechne. „Diese Vorgabe wird in Zukunft eine massive Einschränkung bei der Kreditvergabe bringen“, befürchtet Neumayer.

Regeln seien notwendig, müssten aber angemessen sein. „Wir sind eine kleine Regionalbank und haben bei weitem keine komplexen Geschäfte. Daher sollten wir auch nicht mit komplexen Regeln zugeschüttet werden“, fordert Neumayer.




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