Letztes Update am Fr, 13.10.2017 12:58

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Usutu-Virus: Infektionsgefahr für Menschen steigt



Wien (APA) - In sieben Blutspenden aus Ostösterreich wurde das für das Amselsterben verantwortliche Usutu-Virus nachgewiesen, berichten Forscher der Veterinärmedizinischen Universität (Vetmeduni) Wien in der Fachzeitschrift „Eurosurveillance“. Sie werten dies als in Hinweis darauf, dass humane Infektionen häufiger als bisher angenommen sind. Sechzehn infizierte Tiere wurden heuer bereits gemeldet.

Im Sommer 2001 setzte in Wien plötzlich ein dramatisches Amselsterben ein, das den Bestand nahezu vollständig auslöschte. Forscher identifizierten damals das ursprünglich aus Afrika kommende Usutu-Virus als Ursache.

Bis 2005 raffte der Erreger Amseln, aber auch andere Singvögel dahin. Danach wurden zehn Jahre lang keine Usutu-bedingten Todesfälle bei Wildvögeln in Österreich registriert. In anderen europäischen Ländern, wie etwa in Ungarn, wurde der Erreger dagegen weiterhin in geringem Ausmaß nachgewiesen. Die Viren zählen wie FSME-, West Nil- oder Dengue-Viren zur Familie der Flaviviren.

2016 wurden in Ländern wie Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden wieder Fälle registriert, unter anderem auch bei zwei Amseln aus Österreich. Um zu verstehen, welche Virusstämme in den Ländern aktiv sind und von wo sie eingeschleppt wurden, hat ein Forscherteam der Vetmeduni die genetische Information der Viren aus Österreich und Ungarn entschlüsselt.

Zwischen den benachbarten Ländern zirkulierten unterschiedliche Virusstämme, erklärte Studienleiter Norbert Nowotny vom Institut für Virologie in einer Aussendung. Die von 2010 bis 2015 in Ungarn gefundenen Erreger seien mit jenem Stamm verwandt, der zwischen 2001 und 2005 in Österreich für das Amselsterben verantwortlich gewesen sei. Die 2016 in beiden Ländern bestätigten Viren hätten zu jenem Stamm gehört, der 2009 und 2010 in Italien aktiv gewesen sei, so der Experte. Diese beiden Stämme seien nicht direkt miteinander verwandt, berichten Nowotny und seine Kollegen in der Fachzeitschrift „Emerging Microbes and Infections“.

Aufgrund der regelmäßigen Nachweise der Viren in Wildvögeln nehme auch die Infektionsgefahr für den Menschen zu, so die Experten. Die Übertragung erfolge durch Stechmücken. In einer zweiten Studie wurden daher Blutspenden aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland auf das Usutu-Virus getestet. Im Blut von sieben Spendern aus Ostösterreich wurde das Virus nachgewiesen, berichteten die Forscher im Fachjournal „Eurosurveillance“. Keiner der mit Usutu-Viren infizierten Spender habe allerdings Symptome gezeigt und nur eine Person einen Aufenthalt im Ausland angegeben.

Üblicherweise verläuft eine Usutu-Virus-Infektion beim Menschen unbemerkt, gelegentlich können aber Fieber und Hautausschlag auftreten. Neurologische Symptome und schwerer Krankheitsverlauf sind zwar selten, jedoch bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem beobachtet worden. Da dies bei Blutspende-Empfänger häufig der Fall sei, könne eine mit Usutu-Viren infizierte Blutspende gefährlich sein, erklärten die Experten.

In Wien, Niederösterreich und dem Burgenland werden seit 2014 alle Blutspenden auf Flaviviren untersucht, da das West Nil-Virus in Ostösterreich endemisch ist. Bei einem positiven Ergebnis werde die Blutkonserve vernichtet und stelle somit keine Gefahr mehr dar, so der Experte.

„Es gibt aber eine Reihe von Ländern in Europa, in denen West Nil-Viren noch nicht aufgetreten sind, sehr wohl aber Usutu-Viren. Blutspenden aus diesen Ländern werden oft nicht auf Flavivirus-Infektionen untersucht,“ so Nowotny. Mit ihrer Forschungsarbeit wollen Novotny und sein Team auf diese Problematik hinweisen, die Auswirkungen auf das Blutspendewesen in Europa werden bereits diskutiert.

(S E R V I C E - https://doi.org/10.1038/emi.2017.72




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