Letztes Update am Fr, 13.10.2017 14:07

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Branchenvertreter sehen Nachholbedarf bei Erneuerbaren



Wien (APA) - Zur Erreichung der nationalen Energie- und Klimaziele sind mehr Anstrengungen nötig, wobei Maßnahmen vor allem am Wärmemarkt, aber auch beim Strom und Verkehr nötig sind, so das Fazit von Experten und Erneuerbaren-Vertretern am Freitag bei einer Pressekonferenz. Grüne Energie sei auch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Der Erneuerbaren-Ausbau zeige nach unten, die Politik sei gefordert.

Die aktuelle Marktentwicklung sei zur Erreichung der Klima- und Energieziele 2020/2030/2050 nicht ausreichend, so Peter Biermayr vom Zentrum für Energiewirtschaft und Umwelt (e-think) und Autor der Studie „Innovative Energietechnologien in Österreich - Marktentwicklung 2016“ des Verkehrsministeriums (BMVIT). Angesichts der vorläufigen Energiebilanz 2016 schaue es nicht gut aus, Zuwächse gebe es etwa im Verkehr, einem großen Sektor mit weniger erneuerbarer Energie. Das Thema Wärme sei als gleichwertiger Diskussionspunkt nötig.

Hemmnisse für den Erneuerbaren-Ausbau seien unteren anderem die niedrigen Öl- und Gaspreise, der nicht in Schwung kommende Sanierungsmarkt, das Ende der Vorzieheffekte aus der Krise im Jahr 2008 oder die Behinderung von Investitionen durch unsichere Rahmenbedingungen und auch der Wettbewerb der Technologien untereinander. Zudem seien Erneuerbare und Klimaschutz derzeit keine vorrangigen politischen Themen. Diese nun schon länger wirkenden Hemmnisse führten 2016 in vielen Bereichen zu einem weiteren Rückgang der Absatzzahlen.

Zuwächse gab es laut Studie von 2015 auf 2016 vor allem bei Biomassebrennstoffen, Wasserkraft und Wärmepumpen waren stabil. Rückläufig waren insbesondere Biomassekessel und -öfen, Biotreibstoffe, Biogas und Solarthermie. Bei Biomassekesseln beispielsweise dauere der Rückgang bereits vier Jahre, 2015/16 sei das Sinkender Stückzahl zwischen 5 und 14 Prozent, in Summe bei 11,6 Prozent gelegen, bei Biomasseöfen bei 11 Prozent. Leichte Zuwächse von 2,6 Prozent gab es bei der installierten Leistung in der Photovoltaik, die Endverbraucherpreise haben sich seit 2011 mit einem Rückgang um 44,6 Prozent fast halbiert. Bei der Windkraft hat sich der Zubau 2016 gegenüber 2015 um rund 28,7 Prozent verringert.

Die Energiewende sei eine Riesenchance für Österreich. Um diese Chance wahrnehmen zu können, brauche man auch Rahmenbedingungen und einen Rückenwind von der Politik, so Peter Püspök, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ). Es werde Aufgabe in der nächsten Legislaturperiode sein, hier ein anderes Setting herzustellen. Er zeigte sich heute optimistisch, dass die neue Regierung an dem Großthema Energiewende nicht mehr vorbeikommen werde. Die scheidende Regierung habe es versäumt, Chancen der Erneuerbaren Energie auch für die Industrie und die Wirtschaft wahrzunehmen. Es müsse vielmehr der Fokus auf die Chancen der Wirtschaft gerichtet werden. Die letzten vier Jahre seien auch deswegen enttäuschend gewesen, weil es immer wieder verbale Bekenntnisse zu den Erneuerbaren gegeben habe, denen aber eigentlich keine Taten gefolgt seien. Es sei noch viel zu tun, derzeit sei man fokussiert auf den Strommarkt, es gehe aber um den Gesamtmarkt, etwa Wärme. Aber auch am Strommarkt sieht er angesichts der erwarteten Wachstumsrate etwa durch die E-Mobilität Handlungsbedarf.

Die Klima- und Energiestrategie sollte nach Ansicht von Püspök jährlich adaptiert werden. Es sei in vielen Köpfen noch nicht angekommen, dass die Zukunft der Energieversorgung die zentrale Aufbringung sei, wobei auch die Bürger Teil des Systems sein müssten. Ein boomender Heimmarkt sei die beste Forschungsförderung. Firmenvertreter wiesen heute unter anderem auf hohe Exportquoten und auch auf die Wichtigkeit des Heimmarktes hin.

Insgesamt tragen die Energien zu rund einem Drittel zur gesamten Energieversorgung bei, bei Strom sind es rund drei Viertel. Beschäftigt seien in der Branche rund 31.000 Personen, der Umsatz liege bei 4,7 Mrd. Euro, hieß es heute.




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