Letztes Update am Sa, 14.10.2017 13:10

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


NR-Wahl - Internationale Pressestimmen 2: „Müde gewordenes System“



London/Doha/Zürich (APA) - Weitere internationale Medien-Kommentare zur Nationalratswahl am Sonntag:

„Financial Times“ (London): „Der 31-jährige Chef der Volkspartei, Sebastian Kurz, hat die Chance Bundeskanzler zu werden. Seine Mitte-Rechts-Partei war in den vergangenen 30 Jahren immer in der Regierung, meist in einer Großen Koalition mit den Sozialdemokraten. Doch seitdem Herr Kurz die Parteiführung übernommen hat, hat er sich in einem energiegeladenen, personalisierten Wahlkampf als jener Kandidat präsentiert, der ein müde gewordenes politisches System erneuern will. Er nahm auch den Rechtsauslegern der Freiheitlichen Partei den Zündstoff aus der Hand, in dem er eine strenge Kontrolle der illegalen Migration versprach.“

„The Times“ (London): „Sebastian Kurz: Österreichs ‚Messias‘ an der Schwelle, der Welt jüngster ‚Leader‘ zu sein.“

„Tagesanzeiger“ (Zürich): „In Österreich geht ein langer und schmutziger Wahlkampf zu Ende. Der Konservative Sebastian Kurz hat es geschafft, die Konkurrenz verbraucht und öde wirken zu lassen. Ein Thema hat in diesem Wahlkampf alles überstrahlt: die Flüchtlingspolitik, verknüpft mit dem Kampf gegen den politischen Islam. Früher war das allein die Domäne der rechten FPÖ. Dann aber entdeckte Sebastian Kurz dieses Sujet für sich und präsentierte die grimmige Forderung nach Migrantenabwehr in freundlicherer Verpackung. Egal, ob über Bildung oder die Sozialsysteme geredet wurde: Kurz landete immer beim Flüchtlingsthema.“

„Al Jazeera“ (Arabischer Nachrichtensender mit Sitz in Katar): „In Österreich ist nicht die extreme Rechte das Problem, sondern der Rechtsschwenk der beiden bisherigen Großparteien im Land. Wie die Wahl ausgeht, ist letztendlich sekundär, weil der Rechtspopulismus ohnehin schon an der Macht ist. Er wird sowohl von ÖVP als auch SPÖ praktiziert.“




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