Letztes Update am Mo, 30.10.2017 06:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Olympia: 100 Tage vor Olympia - ÖOC setzt auf Qualität vor Quantität



Pyeongchang/Wien (APA) - Das Österreichische Olympische Komitee rechnet für die Winterspiele von 9. bis 25. Februar in Pyeongchang (Südkorea) mit bis zu 115 Teilnehmern. Eine erbrachter Quotenplatz alleine ist zwar noch keine Startplatzgarantie, das ÖOC verzichtet aber auf Qualifikationskriterien und vertraut auf die Einschätzung der fünf involvierten Fachverbände. Nominiert wird am 22. Jänner 2018.

Anders als im Sommer hat es das ÖOC im Winter nur mit einer Handvoll Verbände zu tun, dem Skiverband (ÖSV), Rodelverband (ÖRV), Bob- und Skeletonverband (ÖBSV), Eiskunstlaufverband (ÖEKV) und Eisschnelllaufverband (ÖESV). Im Eishockey (ÖEHV) und Curling (ÖCV) wurde die Qualifikation bereits fix verpasst.

„Im Winter ist es einfacher, weil es sehr überschaubar ist“, sagte Christoph Sieber, der Chef de Mission des ÖOC. „Grundsätzlich gilt aber das gleiche Prinzip wie im Sommer, dass wir keine generellen nationalen Qualifikationskriterien haben. Wenn ein Verband zusätzliche nationale Kriterien haben möchte, dann akzeptieren wir das auch.“ Man sei gemäß Olympic Charter aber dazu verpflichtet zu überprüfen, dass nationale Kriterien fair und transparent seien und niemand diskriminiert werde.

Die meisten Athleten wird der ÖSV stellen. Bei den Alpinen, Skispringern und Kombinierern sowie im Biathlon werden die möglichen Startplätze ziemlich ausgefüllt werden, im Langlauf, Snowboard und Ski-Freestyle werden einzelne Disziplinen wohl nicht besetzt werden.

„Im Skiverband haben wir eine Kultur, dass nur Athletinnen und Athleten, die wirklich entsprechend leistungsfähig sind, entsandt werden. Ich erinnere an Sotschi, wo es den Konflikt mit der Freestyle-Skifahrerin gab. Wo der ÖSV gesagt hat, das tut uns leid, das entspricht einfach nicht dem Standard“, blickte Sieber zurück. Bei den Winterspielen 2014 wollte Freestyle-Skifahrerin Daniela Bauer in der Halfpipe antreten, der ÖSV nahm die Quote aber nicht in Anspruch. Bauer ging vor den Internationalen Sportgerichtshof, der CAS lehnte den Einspruch ab.

So ein Fall soll sich nicht wiederholen. „Hier wurde vorgebaut und mit dem Skiverband vereinbart, dass es intern klare Vorgaben gibt, um so etwas in Zukunft zu vermeiden. Es gilt, dass Quotenplätze nicht um jeden Preis besetzt werden, sondern dass natürlich die entsprechende Leistung vorhanden sein muss“, erklärte Sieber. „Im Freestyle-Bereich ist der ÖSV in der Pflicht. Wir haben aber auch das Vertrauen zum ÖSV, dass im Interesse einer qualitativ hochwertigen Beschickung vorgegangen wird. Wenn es tatsächlich zu Diskussionspunkten kommen sollte, werden wir das einfach ausdiskutieren.“

Sehr wohl könne es aber Fälle geben, dass man junge Athletinnen und Athleten mitnehme, die noch keine großen Erfolgsaussichten hätten, aber wichtige Erfahrungswerte sammeln sollen. Für Sotschi wurden so etwa Bobfahrer Benjamin Maier oder zwei junge Biathletinnen berücksichtigt. Sieber: „Lisa Hauser ist ja mittlerweile wirklich in der erweiteren Weltspitze angekommen.“ Ebenfalls mitnehmen wolle man Ersatzleute für die diversen Teambewerbe.

Am 1. Februar 2018 werden die ersten österreichischen Sportler in Korea eintreffen. Sie werden in den Olympischen Dörfern in Yongpyong im Mountain Cluster und in Gangneung im Coastal Cluster sowie in Außenquartieren in Jeongseon (alpine Speedbewerbe) und Bokwang (Snowboard und Ski-Freestyle) wohnen.

ÖOC-Präsident Karl Stoss fände eine Ausbeute von 17 Medaillen wie in Sotschi „exzellent“. Insgesamt 102 Medaillenentscheidungen werden fallen, im Vergleich zu Sotschi 2014 wurden im Snowboard die Parallel-Slaloms gestrichen, die Burgenländerin Julia Dujmovits wird ihr Olympiagold also nicht verteidigen können. Neu zur Austragung kommen der Teambewerb bei den alpinen Skifahrern, Big Air bei Damen - mit Anna Gasser als einer Mitfavoritin - und Herren, das Mixed-Doppel im Curling und im Eisschnelllauf der Massenstart bei Damen und Herren.

Es sollen die Spiele der kurzen Wege werden. Rund um das Herzstück „Alpensia“ in den Bergen sind die Sportstätten der Alpinen, Nordischen, Biathleten und Eiskanal-Sportler innerhalb von zehn Minuten erreichbar. Pyeongchang liegt übrigens auf 700 m, „die glücklichen 700“ sagen die Koreaner dazu. Das Leben auf dieser Seehöhe soll besonders lebenswert sein. Von den 1,18 Millionen aufgelegten Tickets sollen neunzig Prozent verkauft werden, der große Ansturm auf die Karten hat aber noch nicht eingesetzt. Mit Stand 24. Oktober wurden 31,9 Prozent abgesetzt.




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