Letztes Update am Sa, 02.12.2017 00:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Experte: Israel spezialisiert sich auf „Krieg gegen das Volk“



Wien (APA) - Der Aktivist Jeff Halper hat Israel unterstellt, sich auf einen „Krieg gegen das Volk“ zu spezialisieren. Das Land entwickle fortschrittliche Sicherheitstechnologie, die weltweit „Hegemonen“ unterstütze. „Israel beliefert die regierende Elite“, sagte der amerikanische Anthropologieprofessor am Freitag in Wien.

Für Halper, der seit 1973 in Israel lebt und sich dort gegen die Siedlungspolitik des Landes einsetzt, befindet sich der internationale Kapitalismus in einer Krise. Selbst in der westlichen Welt profitierten immer weniger Menschen vom kapitalistischen System, die Sicherheitspolitik werde daher immer wichtiger. Im Gegensatz zum konventionellen Krieg stehe heute ein „Krieg gegen das Volk“ im Vordergrund, um die Zivilgesellschaft zu „befrieden“.

Die Sicherheit diene dabei als Vorwand, Bürgerrechte zu beschneiden, erklärte Halper. Durch Ausnahmezustände hätten Sicherheits- und Polizeikräfte immer weitreichendere Möglichkeiten, die sie in einem demokratischen Rechtsstaat nicht hätten. Israel spezialisiere sich auf diese Form der „Kriegsführung“ und fülle eine Marktlücke, indem das Land weltweit die Mächtigen beliefere. Israel werde darum auch nicht für seine Menschen- und Völkerrechtsverstöße an den Palästinensern international bestraft. Halper rief jedoch dazu auf, sich zu keinen Verschwörungstheorien hinreißen zu lassen.

Die hohen Kompetenzen und fortschrittliche Technologie für diese „asymmetrische Kriegsform“ gingen auf die guten Verbindungen zu den USA zurück, denn Israel habe privilegierten Zugriff auf US-Militärtechnologie. Israel spezialisiere sich zudem auf die Ausrüstung von Polizei und Sicherheitskräften, die in einem „Krieg gegen das Volk“ die Hauptlast übernehmen sollen.

Halper nannte einige Beispiele für die von Israel entwickelte Sicherheitstechnologie. So sollen rund 60 Prozent der weltweit von Sicherheitskräften eingesetzten Drohnen aus Israel stammen. Diese seien in einem konventionellen Krieg eher ungeeignet, wegen der Überwachungs- und Kontrollmöglichkeiten jedoch für die „Befriedung“ ziviler Personen prädestiniert. Zudem seien die Möglichkeiten von Drohnen in Kombination mit Nanotechnologie enorm: Halper sprach von Nanobots, die lediglich die Größe von Stechmücken bis hin zu einem Zehntel einer Haaresbreite hätten und als Waffen eingesetzt werden könnten.

Israel spezialisiere sich zudem auf Grenzüberwachung und -schließungen, unter anderem mit ferngesteuerter Bewaffnung, die bald sogar automatisiert werden könnte. Hier arbeite das Land bereits mit europäischen Nationen zusammen. Durch Algorithmen sollen außerdem israelische urbane Überwachungssysteme Straftaten vorhersagen können. „Dies ist ein direkter Verstoß gegen die Bürgerrechte“, beklagte Halper.

Der Aktivist erklärte, dass Israel eine Zweistaatenlösung mit Palästina bisher nicht akzeptiert habe, um die von den Palästinensern bewohnten Gebiete als „Versuchslabor für neue Waffen und Ausrüstung im eigenen Land“ verwenden zu können. So würden nicht-tödliche Waffen von israelischen Sicherheitskräften an Teilnehmern von Protestaktionen getestet. Der Konflikt sei für Israel keine nennenswerte Bedrohung, begründe jedoch die nationale Sicherheitspolitik.




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