Letztes Update am Mo, 29.01.2018 16:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Special Allrad

Allradsysteme einst und heute

Während der Allradantrieb an Fahrzeugen früher in erster Linie bessere Traktion und Geländeeinsätze ermöglichen sollte, dienen die Systeme der neueren Generation auch der Optimierung des Fahrverhaltens.

© PixabaySymbolbild.



Leider sind herausragende Innovationen der Anfangsjahre in Vergessenheit geraten. Ein Rückblick im Zeitraffer.

Die ersten Allrad-Systeme

Premiere hatte der Allradantrieb vermutlich in Großbritannien im Jahr 1827. Das von John Hill und Timothy Burstall modifizierte Transportfahrzeug mit Dampfmaschine hatte ursprünglich einen Heckantrieb. Die beiden schalteten über eine damals noch wenig verbreitete Kardanwelle den Vorderachsantrieb zu. Sie gaben die Allrad-Idee später aufgrund technischer Probleme auf.

Mit seinem legendären Lohner-Porsche entwickelte Ferdinand Porsche im Jahr 1900 gleich zwei Lösungen für die Herausforderungen in der Automobilbranche. Er konstruierte für jedes Rad einen elektrischen Radnaben-Motor und erfand somit das erste Elektromobil mit permanentem Allradantrieb. Warum seine Innovation damals nicht die gebührende Aufmerksamkeit erhielt, kann nur vermutet werden. Offensichtlich stand sein Konzept den Plänen einflussreicher Leute im Weg.

In den ersten Jahrzehnten wurde der Allradantrieb vorwiegend für Nutzfahrzeuge wie Lastkraftwagen in Betracht gezogen, um in Ländern mit fehlender Infrastruktur Transporte durchs Gelände zu ermöglichen. Im Zweiten Weltkrieg wurden erstmals Militärfahrzeuge mit Allradantrieb konstruiert. Die Erfolgsgeschichte des Willys-Jeeps begann 1941. Erfolgreich im zivilen Sektor war vor allem der Unimog, ein sehr robustes geländegängiges Nutzfahrzeug mit permanentem Allradantrieb.

Die ersten Straßenfahrzeuge mit Allrad-System

Der britische Automobilhersteller Jensen stellte 1966 den ersten Pkw mit Allradantrieb vor. Es war ein Sportwagen der GT Klasse mit der Bezeichnung Jensen FF, der zudem eine weitere Neuheit beinhaltete: das Antiblockiersystem ABS.

1972 griff der Hersteller Subaru die Idee des zuschaltbaren Allradantriebs für Personenwagen auf und setzte sie im Modell Leone um.

Das erste Straßenfahrzeug in Großserie wurde 1979 vom US-Konzern AMC auf den Markt gebracht, der Eagle hatte permanenten Allradantrieb. Ein Jahr später stellte Audi den ersten deutschen Personenwagen mit Vierradantrieb vor. Der Quattro war permanent allradgetrieben und wurde knapp 12.000 Mal verkauft.

Allrad-Systeme der Gegenwart

Fahrzeuge mit Allradantrieb gibt es heute in jeder Kategorie, weil das Konzept die Fahrsicherheit erhöht, die Traktion verbessert und optimale Vermarktung ermöglicht. Der überwiegende Teil der FWD Systeme ist nach wie vor im Nutzfahrzeugbereich zu finden und bei geländegängigen Wagen.

Vor allem bei Pkws der gehobenen Mittelklasse ist der Allradantrieb zunehmend beliebt, weil er spürbar das Fahrverhalten verbessert und zur Sicherheit beiträgt. Obgleich die aktuellen Systeme durch elektronische Steuerung noch mehr Komfort und Fahrsicherheit bieten, kann sich der Allradantrieb bislang nicht wirklich gegen die klassischen Varianten durchsetzen. Nur jedes vierte verkaufte Auto ist ein Modell mit Allrad-System.




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