Letztes Update am Mi, 07.02.2018 06:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Olympia: Historische Kooperation zwischen Süd- und Nordkorea



Pyeongchang/Pjöngjang/Seoul (APA) - In den Bemühungen um eine Entspannung zwischen Nord- und Südkorea nehmen die Olympischen Winterspiele in Südkorea von 9. bis 25. Februar eine wichtige Rolle ein. Dem gemeinsamen Einmarsch der beiden Delegationen bei der Eröffnungsfeier unter der „Vereinigungsflagge“ und der Bezeichnung „Korea“ mit jeweils einem Fahnenträger aus beiden Staaten fällt dabei eine historische Symbolik zu.

Es ist nicht nur das erste gemeinsame Einlaufen der beiden Nationen bei sportlichen Großereignissen seit elf Jahren, als man 2007 bei den asiatischen Winterspielen in China gemeinsam einmarschierte, sondern auch die Olympiapremiere für den Norden in Südkorea. 1988 hatte das kommunistische Regime die Sommerspiele in Seoul boykottiert.

Insgesamt ist es der vierte gemeinsame Einmarsch bei Olympischen Spielen nach den Sommerspielen in Sydney (2000), Athen (2004) bzw. den Winterspielen von Turin (2006).

Neben der symbolischen Aktion bei der Eröffnung wird es in Pyeongchang auch eine konkrete sportliche Zusammenarbeit der beiden Staaten geben. Das Eishockey-Team der Damen wird aus Spielerinnen aus Nord- und Südkorea bestehen, wobei mindestens drei Athletinnen aus dem Norden pro Spiel eingesetzt werden. Es wird dies das erste Antreten eines gemischten Teams auf olympischer Ebene sein.

Bei anderen internationalen Wettkämpfen gab es schon zweimal gemeinsame Teams: Jeweils 1991 schlossen sich Vertreter beider Staaten bei den Tischtennis-Weltmeisterschaften und bei der Junioren-WM im Fußball zusammen. Im Tischtennis mit Erfolg, holten die Damen doch gemeinsam die Goldmedaille.

Für Nordkorea wird es ein Comeback bei Winterspielen sein, nachdem zu den Sotschi-Spielen vor vier Jahren keine Athleten aus dem abgeschotteten Land entsendet wurden. Nordkoreanische Sportler werden in insgesamt fünf Sportarten antreten: Neben den zwölf Eishockeyspielerinnen kommen weitere zehn Athleten im Eiskunstlauf, Shorttrack, Eisschnelllauf, Langlauf und im alpinen Skilauf zum Einsatz.

Bei insgesamt acht Teilnahmen seit dem Debüt in Tokio 1964 holten nordkoreanische Aktive bei Winterspielen erst zwei Medaillen: Eisschnellläuferin Han Pil-hwa gewann 1964 Silber über 3.000 Meter, Shorttrackerin Hwang Ok-sil 1992 in Albertville Bronze.

Die geplante Zusammenarbeit stößt vor allem in Südkorea nicht nur auf ungeteilte Zustimmung. Die konservative Opposition etwa kritisierte den gemeinsamen Einmarsch unter gemeinsamer Flagge und befürchtete eine Verletzung des Nationalstolzes.

Südkoreas Präsident Moon Jae-in betonte hingegen die mögliche Bedeutung der Kooperation weit über den sportlichen Wert hinaus: „Das gemeinsame Team bedeutet mehr, als den Norden zur Olympia-Teilnahme zu bewegen. Es könnte der Beginn viel besserer innerkoreanischer Beziehungen sein.“




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