Letztes Update am Do, 08.02.2018 06:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ukraine-Krise - Ärzte ohne Grenzen: Psychologische Folgen riesig



Kiew/Wien (APA) - Dutzende Hilfsorganisationen sind in der Ostukraine seit Beginn des Konfliktes vor knapp vier Jahren tätig. Neben der Caritas betreuen auch vier mobile Teams von Ärzte ohne Grenzen (MSF) Menschen in der Pufferzone. Die psychologischen Auswirkungen der Krise seien „wirklich riesig“, sagt Myriam Berry, MSF-Projektkoordinatorin in der Region, im Gespräch mit der APA.

Viele Menschen im Verwaltungsbezirk (Oblast) Donezk, in dem Berry hauptsächlich tätig ist, leiden an posttraumatischen Belastungsstörungen, Angststörungen, Depressionen. Unter den Patienten befinden sich unzählige Kinder, aber auch viele ältere Personen, für die es besonders schwierig sei, an grundlegende medizinische Betreuung zu kommen. Das ist nach Berrys Ansicht auch das dringendste Problem: Zugang zu medizinischer Versorgung, zu ordentlichen Medikamenten.

Ältere wollten und könnten oft aus finanziellen Gründen ihr Zuhause nicht verlassen und in größere Städte ziehen, in denen die Versorgung noch gewährleistet ist. Die Infrastruktur in manchen Dörfern sei besonders schlecht, Apotheken haben zugesperrt - und Straßen in nahegelegene Dörfer, in denen es noch Ärzte, Krankenschwestern und Apotheken gibt, sind oft beschädigt und werden gerade im Winter nicht vom Schnee geräumt.

Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen oder die Caritas sind deshalb mit mobilen Teams unterwegs. Im vergangenen Jahr betreuten die vier MSF-Teams, darunter immer auch ein Psychologe, in der Region 2.200 Menschen pro Monat. Die Kanadierin Berry ist seit Mai 2017 in der Ostukraine tätig. Was den Einsatz für die Helferin, die auch schon im Tschad und Südsudan tätig war, besonders macht? „Man kann hier wirklich sehen, dass wir in Europa sind. Diese starke kulturelle Verbundenheit merkt man jeden Tag, und das macht die Arbeit schon sehr speziell. Die Leute, die ich betreue, könnten meine Großeltern sein! Wie die Leute hier leben, das könnte auch in meinem Land sein“, so Berry.




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