Letztes Update am Mo, 07.05.2018 13:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mutternacht 2018 - Gewaltprävention muss schon in der Schule beginnen



Wien (APA) - Gewalt ist einer der Hauptgründe für die Müttersterblichkeit und müsse verstärkt durch Prävention sowie den Einsatz eines höheren finanziellen Budgets bekämpft werden. Das forderte die österreichische Initiative Mutternacht am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien. „Prävention sollte längst Teil eines Schulfaches sein“, meinte Andrea Brem, Geschäftsführerin des Vereins Wiener Frauenhäuser.

Jährlich sterben rund 300.000 Frauen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt, fast alle von ihnen in ärmeren Ländern. Den Grund dafür sieht Petra Bayr (SPÖ), Initiatorin der Initiative Mutternacht, in struktureller Gewalt: So erhalten Frauen und Mädchen weniger Nahrung sowie seltener Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung als Männer. Sie sind öfter Opfer körperlicher und psychischer Gewalt. In Kriegen und Katastrophen sind 70 Prozent der Frauen und Mädchen von Gewalt betroffen. Vergewaltigung werde häufig als Kriegswaffe benutzt, berichtete Jennifer Bose von ihrer Arbeit für die NGO Care. „Die Mittel der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit müssen für Gewaltprävention und Frauenpolitik eingesetzt werden“, bekräftigte Bayr. Doch Gewalt kenne keine sozialen und wirtschaftlichen Grenzen.

„Für viele Frauen gibt es keine Phase in ihrem Leben, in der sie nicht Gewalt erfahren. Viele erleben sie bereits als Kinder im Bauch der Mutter“, betonte Brem. Besonders Schwangerschaft und Muttersein seien mit großer Verletzlichkeit verbunden. „Durch frühe Heirat wollen junge Frauen der Gewalt in ihrer Familie entgehen - und der Kreislauf der Gewalt beginnt von Neuem“. Das frühe Erleben von Gewalt habe Auswirkungen auf das eigene Gewaltverhalten: Wer als Kind Gewalt (mit)erlebt hat, neige auch als Erwachsener dazu, sie zu erfahren oder selbst auszuüben.

„Vieles hat sich geändert“, kommentierte Brem das heurige 40-jährige Bestehen der Frauenhäuser in Österreich. „Bei manchen Dingen treten wir aber noch auf der Stelle. Frauen bleiben z.B. immer noch sehr lang in Gewaltbeziehungen.“ Die Wichtigkeit von Prävention häuslicher Gewalt könne nicht genug betont werden, sagte Brem - und diese sollte schon in der Schule beginnen, etwa in Form von Fächern, die das Leben von Beziehungen oder Erziehung thematisieren. Unterstützung der Pädagogen durch externe Psychologen wäre hier hilfreich.

Große Hürden sieht Brem derzeit in der gemeinsamen Obsorge, durch die sich Gewalt und Angst für viele Frauen weiter fortsetzen würde. Außerdem seien nach wie vor nicht alle Frauenhäuser in Österreich unbefristet finanziert. „Es ist auch nach vierzig Jahren noch immer nicht möglich, hoch gefährdete Frauen bundesländerübergreifend aufzunehmen“, kritisierte Brem.

Die Mutternacht wird seit 2010 jedes Jahr im Vorfeld des Muttertages in mehreren europäischen Ländern begangen. Die österreichische Plattform Mutternacht veranstaltet am Montag (7. Mai) einen Film- und Diskussionsabend bei freiem Eintritt im Top Kino in Wien.

(S E R V I C E - www.mutternacht.at )




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