Letztes Update am Do, 14.06.2018 16:07

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Steuerbetrug mit Paketen aus China kostet Österreich 120 Mio. Euro



Wien (APA) - Für Pakete aus China ist bei einem Wert bis 22 Euro keine Umsatzsteuer und bis 150 Euro kein Zoll fällig. 97 Prozent der jährlich 560 Mio. Pakete aus China kommen zoll- und mehrwertsteuerfrei in die EU, der Rest meist ohne Zoll - aber oft gebe es Falschdeklarierungen, was zu entgangener Umsatzsteuer von 120 Mio. Euro im Jahr in Österreich und 7 Mrd. Euro in der EU führe, so der Handelsverband.

„Viele asiatische Online-Händler nutzen diese Freigrenzen mit allen Mitteln aus, unter Anderem indem sie Sendungen bewusst falsch deklarieren“, kritisiert der Handelsverband in einer Aussendung.

Nach Österreich seien 2017 rund sechs Millionen chinesische Pakete gekommen, „2018 dürften es rund 7,5 Millionen werden, wenn wir nicht gegensteuern“, schreibt Harald Gutschi, Sprecher der Geschäftsführung der UNITO-Gruppe in der gemeinsamen Aussendung.

Der Handelsverband habe zehn Testbestellungen auf AliExpress mit Preisen zwischen 30 und 49 Euro abgegeben und alle seien am Etikett falsch, nämlich mit einem Wert unter 22 Euro deklariert gewesen.

„Es handelt sich hierbei nicht mehr um ein Randproblem, sondern um ein kriminelles Massenphänomen. Im Übrigen waren viele der bestellten Produkte gefälscht, wie uns von Herstellerseite bestätigt wurde“, wird Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, in der Aussendung zitiert.

Um diese Praktiken zu unterbinden, empfiehlt der Handelsverband „fünf konkrete Maßnahmen, die für den heimischen Handel überlebenswichtig sind“:

Versteuerung und Verzollung müsse ohne Freigrenze erfolgen. Dafür brauche es eine digitale Verzollung mit Vorab-Versandmeldungen nach Schweizer Vorbild. Die von der EU geplante Abschaffung der Freigrenzen Anfang 2021 komme viel zu spät.

Sendungen aus Drittstaaten sollten mit einer Bearbeitungsgebühr von beispielsweise 6 Euro versehen werden. Paletten sollten EU-weit einheitlich verzollt werden. Europäische Finanzbehörden sollten die Umsatzsteuer von Online-Händlern aus Drittstaaten direkt beim Marktplatz (z.B. Amazon Marketplace) einheben - Großbritannien habe eine Mrd. Pfund (1,13 Mrd. Euro) Mehreinnahmen seitdem die Marktplätze zur Verantwortung gezogen werden. Und schließlich solle die virtuelle Betriebsstätte kommen.




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