Letztes Update am Do, 14.06.2018 20:57

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Arbeitszeit - ÖGB ortet „größten Angriff auf Arbeitnehmer“



Wien (APA) - Der ÖGB sieht in den Regierungsplänen zur Arbeitszeitflexibilisierung den „größten Angriff auf ArbeitnehmerInnen seit Jahrzehnten“. Die 60-Stunden-Woche werde für viele Arbeitnehmer der Normalfall, auch sei die Abhängigkeit von den Befehlen des Arbeitgebers zu befürchten, kritisierte Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB, am Donnerstag. Moniert wird auch, dass es keine Begutachtung geben soll.

„Nur die zynischsten unter den Wirtschaftsvertretern können da von einem ‚Freudentag für Arbeitnehmer‘ sprechen“, zeigte sich Achitz verärgert. Auch dass die Neuerungen, wie von der Regierung „unterstellt“, auf einer Sozialpartnereinigung aus dem Jahr 2017 beruhen, sei eine „grobe Unwahrheit“. Bis 2017 sei zwar über eine Reihe von Forderungen der Arbeitgeber gesprochen worden. Über die Arbeitnehmerseite sei aber nicht verhandelt worden, stellte Achitz fest. Der ÖGB kritisiert außerdem, dass es sich um keine Regierungsvorlage handelt und der Gesetzesentwurf ohne Begutachtung „durchs Parlament gepeitscht“ werden soll.

Achitz gibt auch zu bedenken, dass Freiwilligkeit im Arbeitsrecht „reine Fiktion“ sei: Wenn der Arbeitgeber einen Wunsch äußert, dem Arbeitnehmer nicht nachkommen, sind Nachteile zu erwarten - im schlimmsten Fall die Entlassung. Auch dass Arbeitnehmer ihre erworbenen Freizeitansprüche konsumieren können, wann sie wollen, sei realitätsfremd.

Von einer „Nebelgranate“ spricht der Leitende Sekretär bei den Überstundenzuschlägen, da gleichzeitig von der Ausweitung der Durchrechnungszeiträume gesprochen werde: „Wenn man zusätzlich davon spricht, Mehrstunden von einem Durchrechnungszeitraum in den nächsten zu übertragen, werden diese Mehr- und Überstunden zuschlagsfrei 1:1 ausgeglichen oder eben gar nie.“ Abgesehen von den juristischen Details verweist Achitz darauf, dass überlange Arbeitszeiten, ob freiwillig oder unfreiwillig, schlecht für die Gesundheit sind.

~ WEB http://www.oegb.at ~ APA587 2018-06-14/20:53




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