Letztes Update am Mi, 11.07.2018 23:35

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Irgendwie unsterblich: Helene Fischer weihte sich das Wiener Stadion



Wien (APA) - „Atemlos!“ kräht ein Service-Mitarbeiter der Wiener U-Bahn ins Megafon, um den Konzertbesuchern den richtigen Ausgang zum Happel Stadion zu weisen. Das kann nur bedeuten: Helene Fischer ist wieder da. Im Winter war sie in der Stadthalle, heute hat sich die deutsche Schlagerdiva des Landes größtes Stadion geweiht. Natürlich hat es nicht geregnet. Und wem kalt war, der hat nicht fest genug geglaubt.

Helene Fischer könnte mit den vier Generatoren ihrer Stadion-Show eine ganze Kleinstadt mit Strom versorgen und mit der Energie ihrer geschniegelten guten Laune noch viel mehr. 40.000 Menschen sind ins Happel gepilgert und haben sich von der Hohepriesterin eines sauber rhythmisierten Happiness-Kults mit sexsymbolmächtigen Roben und schlichtem liturgischem Libretto segnen lassen. „Ein Hoch auf diesen Tag, weil ich das Leben so mag.“

Herzschmerz war gestern, Zweifel hat man nicht, Romantik geht auch ohne Wehmut, Party braucht sowieso keinen Grund - Wir feiern den Sommer! Es ist kalt? „In unseren Herzen ist es warm!“ - und Schlager, der alles darf und alles kann, hat sich längst vom Schmuddeleck zum Herrgottswinkel hochgearbeitet. Denn was eine Popprinzessin kann, das hat eine Schlagerkönigin vom Format Helene Fischer längst intus - nur dass sie sich nicht dafür rechtfertigen muss, dass die polierte Oberfläche alle Stückln spielt, und darunter herzhaft gar nichts ist. Außer natürlich: 200 Kilo Konfetti, 500 Kilo Pyrotechnik, 35 Nebelmaschinen und 60 Flammendüsen. Der Rest ist unerbittliches Können und Hilfe zur Selbsthilfe.

Hoffnung, Glück und Liebe. „Das einzige, was zählt“ ist wahlweise die Freiheit, das „Hier und Jetzt“ oder „Momente mit Herz“. Freilich: „niemand ist fehlerfrei“, alle sind „atemlos“ und natürlich „irgendwie unsterblich“. Auf 1000 Quadratmetern LED, die nicht nur mit Live-Material, sondern auch voraufgezeichnetem erotischen Helene-Posing gefüttert werden, muss man das nicht näher präzisieren. Wenn eine so singen und tanzen und glitzern und immerzu lächeln kann, dann muss sie es wissen, dann trägt sie die Insignien der erlösenden Prophezeiung: „Die Hoffnung wird dich immer tragen.“

Es sei ihre Mission, ihr Publikum heute Abend glücklich zu machen, versichert Helene Fischer im Catsuit - und man glaubt es ihr. Die energiegeladene Deutsche aus Sibirien vermittelt inmitten ihrer pyrotechnischen und verbalen Floskeln eine Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit, die ihr ebenso ehrliche Rührung ihrer Bewunderer zurückgibt. Sie wandelt sich in knapp drei Stunden vom lieben Schlagermädel zur verruchten Discoqueen und bleibt dabei in jedem Moment glaubwürdig. Sie rudert sich mit vollem Körpereinsatz durch alle Varianten musikalischer Seichtgewässer - als Höhepunkt darf das Matthias-Reim-Cover „Verdammt ich lieb dich“ erwähnt werden - und macht sich statt des drohenden Regens lieber zu einer vollen Kanne „Spürst du das?“ nass nach Plan. Wer kann, der kann. Und wer nicht kann, darf trotzdem dabei sein.




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