Letztes Update am Do, 09.08.2018 10:57

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wiener Forscher lüfteten Rätsel um Dental-Anomalie des Fossilhais



Wien (APA) - Den zahntechnischen Eigenheiten des Fossilhais sind Forscher aus Wien und Großbritannien im Rahmen einer Studie nachgegangen. Dabei stellte sich heraus, dass diese Hai-Art nicht nur in der Gruppe der Riffhaie aus der Reihe tanzt, sondern mit einem komplett einzigartigen Zahnaufbau auf Unterwasserjagd geht, wie die Wissenschafter im Fachjournal „Plos One“ berichten.

Die über 500 bekannten Hai-Arten sind in ihrer Lebensweise und Erscheinungsform sehr unterschiedlich. Das gilt auch für ihre Zähne: So gibt es etwa breite Zähne mit gesägten Rändern, sehr flache Zähne, mit denen manche Haie harte Beute knacken, sowie auch sehr schmale spitze Zähne, die sich in die Beute graben und ein Entkommen verhindern, hieß es am Donnerstag in einer Aussendung der Universität Wien. Bisher nahmen Experten aber an, dass der grundlegende Aufbau der Zähne, die sich bis zu ihrem Lebensende erneuern, nur zwei histologischen Schemata folgt.

Einerseits gibt es Haie, deren Zähne aus dem Material Orthodentin bestehen. Ähnlich den menschlichen Beißerchen umgibt dieses die Zahnhöhle. Die zweite dentale Erscheinungsform ist durch Osteodentin gekennzeichnet. Dieses Zahnmaterial ähnelt Knochen und füllt auch die Zahnhöhle aus.

Die Forschergruppe um Patrick L. Jambura von der Uni Wien hat sich in ihrer Studie auf zwei Gruppen fokussiert, die zahnhistologisch bereits gut untersucht sind: Einerseits die Grundhaie, zu denen unter anderem die Gruppe der Riffhaie gehört, und andererseits Makrelenhaie, deren wohl bekanntester Vertreter der Weiße Hai ist.

Während Makrelenhaie Zähne mit dem knochenähnlichen Osteodentin haben, besitzen Grundhaie in der Regel Zähne mit Orthodentin. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Der grau gefärbte Fossilhai (Hemipristis elongata) lebt in den Küstenbereichen des Indischen Ozeans und Indopazifiks, wird bis zu zweieinhalb Meter lang und schert sich wenig um die zahntechnischen Konventionen in der Gruppe der Grund-, respektive Riffhaie, zu der er gehört. Seine Zähne ähneln nämlich eher jenen der Makrelenhaie.

Die Wissenschafter konnten nun anhand detaillierter Aufnahmen aus dem Computertomografen das Rätsel um die Anomalie lüften: „Der Fossilhai besitzt wie alle anderen Grundhaie Orthodentin, die Zahnhöhle ist jedoch mit dem knochenähnlichen Osteodentin gefüllt. Es handelt sich daher um einen dritten, bisher weitgehend unbekannten Histotypen“, so Jambura.

Der Grund für diese eigentümliche Entwicklung könnte laut dem Forscher sein, dass der Fossilhai mit seiner Größe andere Vertreter seiner Gruppe, die oft nur rund einen Meter lang werden, deutlich überragt. Der Vorfahre des Fossilhais dürfte sogar rund sechs Meter lang gewesen sein. „Osteodentin ist härter, und, was noch wichtiger ist, flexibler als Orthodentin. Mit dem Füllen der Zahnhöhle scheinen der Fossilhai und die Makrelenhaie die Widerstandsfähigkeit ihrer Zähne, welche meist lang und dünn sind, zu erhöhen“, so Jambura, der festhielt, dass der Fossilhai und die Makrelenhaie zwar eine ähnliche Zahnstruktur aufweisen, diese allerdings unabhängig voneinander entstanden sei.

(S E R V I C E - https://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0200951)




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