Letztes Update am So, 21.10.2018 08:02

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


1918/2018 - Frauenwahlrecht: Mit acht Mandatarinnen ging es los



Wien (APA) - Im Herbst 2018 jährt sich die Einführung des allgemeinen - und damit auch für Frauen gültigen - Wahlrechts. Was 100 Jahre später selbstverständlich scheint, musste von Frauenrechtlerinnen hart erkämpft werden. Im Februar 1919 wählten Frauen zum ersten Mal in Österreich und acht weibliche Abgeordnete zogen in die Konstituierende Nationalversammlung ein.

Die Argumente und Befürchtungen, mit denen das Frauenwahlrecht verhindert werden sollte, waren vielfältig. So hieß es etwa, dass die Frauen noch nicht so weit seien oder es der weiblichen Natur widerspreche. Allem Widerstand zum Trotz setzten sich die Frauen und Befürworter mit ihrer Forderung aber durch, denn angesichts ihres Einsatzes in der Kriegshilfe und -industrie konnten ihnen politische Rechte nicht länger verwehrt werden: Das Wahlrecht wurde mit der Ausrufung der Republik am 12. November 1918 gewährt (im „Gesetz über die Staats- und Regierungsform von Deutschösterreich“). Am 18. Dezember erging die Wahlverordnung und im darauffolgenden Februar konnten Frauen ihr neu gewonnenes Recht auch zum ersten Mal ausüben.

Die Wahlbeteiligung war dabei eine hohe: Bei der Wahl der Konstituierenden Nationalversammlung am 16. Februar 1919 gaben laut Parlament 82,10 Prozent aller wahlberechtigten Frauen und 86,98 Prozent der Männer ihre Stimme ab. Im März 1919 zogen schließlich acht Frauen ins Parlament ein, sieben sozialdemokratische Abgeordnete und eine christlichsoziale. Das entsprach bei damals 159 Mandataren einem Frauenanteil von 5,03 Prozent. Eine weitere Frau rückte später nach.

Die erste Frau im Präsidium des Nationalrates war Marga Hubinek (ÖVP), die 1986 bis 1990 die Funktion der Zweiten Präsidentin innehatte. Die erste Nationalratspräsidentin wurde Barbara Prammer (SPÖ), sie übte das zweithöchste Amt im Staat von 2006 bis 2014 aus. Im Bundesrat hatte Olga Rudel-Zeynek schon in der Ersten Republik zweimal (1927/28 sowie 1932) für die Steiermark jeweils für sechs Monate das Amt als Vorsitzende inne. Der österreichische Bundesrat war damit laut Parlamentsangaben weltweit das erste nationale parlamentarische Organ, das von einer Frau geführt wurde. Seit 1918 wurden insgesamt 327 Frauen in den Nationalrat gewählt. Ihnen steht die Zahl von 1.575 Männern gegenüber.

Begonnen hat es mit acht Frauen, ein zweistelliger Frauenanteil im Nationalrat wurde überhaupt erst in den 80er-Jahren erreicht. Selbst zum 50. Jahrestag waren es 1969 nur knapp 5 Prozent. In der aktuellen Legislaturperiode nach der Wahl am 15. Oktober 2017 sitzen heute 67 Frauen im Nationalrat, das ist ein Anteil von 36,6 Prozent und damit so hoch wie nie zuvor. Den höchsten Frauenanteil haben mit 50 Prozent die NEOS, fünf von zehn Abgeordnete sind Frauen. Die SPÖ ist mit 46,2 Prozent (24 von 52) auf dem Weg zur Geschlechterparität. Die Liste Pilz kommt auf einen Wert von 42,3 Prozent (3 von 7). Die größte Fraktion, die ÖVP, hat einen Frauenanteil von 36,1 Prozent (22 von 61) und bei den Freiheitlichen sind nur zwölf der 51 Mandatare Frauen (23,5 Prozent). Außerdem gibt es aktuell eine Frau sowie einen Mann ohne Klubzugehörigkeit.

Rund um das Jubiläum wird die Errungenschaft bei zahlreichen Veranstaltungen gefeiert und diskutiert. Das Parlament plant im Zeitraum Dezember bis März Events und eine Ausstellung, die Details waren allerdings noch nicht bekannt. Das interdisziplinäre Projekt frauenwahlrecht.at lädt schon für 31. Oktober zu einem Festakt an der Universität Wien. Dies ist auch der Auftakt für eine Ausstellung in Form einer Wahlzelle, die bis 28. November an der Uni Wien, anschließend am Juridicum und außerdem an mehreren Standorten in Österreich zu sehen ist.

Im Palais Niederösterreich in Wien findet am 12. November eine Enquete zum Thema mit unter anderem Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß (beide ÖVP) statt. Die SPÖ-Frauen organisieren eine Veranstaltung am 19. November im ArbeiterInnenheim Favoriten, denn dort fanden immer wieder Vorstandssitzungen statt, bei denen die Frage des Frauenwahlrechts in der Sozialdemokratie besprochen und beschlossen wurde, hieß es. Teilnehmen werden unter anderem SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner und Frauenchefin Gabriele Heinisch-Hosek. Auch die SPÖ-Frauen laden zu einer Wanderausstellung.

( 1071-18, Format 88 x 120 mm)




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