Letztes Update am So, 21.10.2018 08:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tennis: Anderson im Kampf um erstes Masters-Ticket voll fokussiert



Wien (APA) - Er ist zum fünften Mal beim Stadthallen-Tennisturnier in Wien am Start, doch diesmal möchte er mehr. Wimbledon-Finalist Kevin Anderson fühlt sich bereit für seinen ersten Titel beim Erste Bank Open. Und zudem ist der 32-jährige Südafrikaner voll fokussiert auf eines seiner ganz großen Karriere-Ziele: Er steht kurz vor seiner ersten Qualifikation für die ATP World Tour Finals in London.

2011 war Anderson erstmals in Wien und es war auch sein bisher erfolgreichster Auftritt. Nach Siegen über Andreas Haider-Maurer und im Viertelfinale über Jürgen Melzer musste sich der 2,03-m-Mann damals erst im Halbfinale dem argentinischen Star Juan Martin Del Potro geschlagen geben.

Seine Wien-Premiere ist ihm aber auch aus anderen Gründen noch in Erinnerung. „Damals hat Thomas Muster sein letztes Event hier vor vollem Stadion gespielt. Es war sehr speziell zu sehen, wie sehr die Menge Tennis liebt“, erzählte Anderson nach der Auslosung, die ihm den starken Georgier Nikolos Basilaschwili bescherte. Zudem gefällt es dem in Johannesburg geborenen, in Florida lebenden Weltranglisten-Achten in Wien. „Die Stadt ist wunderschön, hat so viel Geschichte. Meine Frau und ich genießen es, hierherzukommen.“

2015 folgte noch ein Viertelfinale, in den vergangenen beiden Jahren musste sich Anderson aber jeweils gleich in Runde eins geschlagen geben. Mit gestärktem Selbstvertrauen in einem Jahr, in dem er schon bis auf Platz 5 vorgestoßen war, will er das vergessen machen. „Es ist ein sehr starkes Feld“, meint Anderson mit Blick auf das mit u.a. vier Top-Ten-Spielern gespickte Feld. „Mein Ziel ist es natürlich, dass ich nächsten Sonntag im Finale spiele. Aber zuerst muss ich einmal mein erstes Match gewinnen. Ich fühle mich körperlich gut und habe wirklich gutes Tennis gespielt.“

Das Ziel „Masters“ in London hat er die ganze Zeit im Hinterkopf. „Ich bin ein paar Mal sehr knapp drangekommen, habe es um einen oder zwei Plätze versäumt. Es war immer ein großes Ziel von mir.“ Der US-Open-Finalist 2017 ist aktuell Siebenter im Race, zieht man den vor ihm liegenden Del Potro (Kniescheibenbruch) ab, ist ihm die Premiere in der O2-Arena schon fast sicher.

„Ich weiß gar nicht, ob er für den Rest des Jahres ausfällt. Aber in jedem Fall: Mein Ziel ist es, mich selbst zu qualifizieren. Ich muss mich auf das fokussieren, was ich jetzt tue“, erklärte Anderson gegenüber der APA - Austria Presse Agentur. „Natürlich möchte ich dort dabei sein. Aber zu viel daran zu denken, wird mir nicht helfen, mein Erstrundenmatch zu überstehen.“

Anderson präzisierte allerdings, dass er auch andere Ziele hat. „Ziel ist es, dieses Turnier zu gewinnen. Ein Ziel ist es auch, im Semifinale oder Finale von Paris zu stehen und vielleicht mein erstes Masters-Series-Turnier zu gewinnen.“ Einer der Gründe für seine Stabilisierung im Kreis der Top Ten ist die harte Arbeit an sich selbst. „Man versucht, sich immer weiter zu verbessern. Dieses Jahr ist sehr gut für mich verlaufen und ich habe meinem Spiel immer mehr vertraut.“

In Wimbledon wäre für Anderson wohl auch der erste Grand-Slam-Titel möglich gewesen. Doch sein erstes Endspiel auf dem „heiligen Rasen“ war erst nach dem zweitlängsten Wimbledon-Match aller Zeiten zustande gekommen: Nach 6:36 Stunden hatte er John Isner (USA) im Halbfinale 7:6(6),6:7(5),6:7(9),6:4,26:24 niedergerungen. Der letzte Satz hat alleine fast drei Stunden gedauert. Dementsprechend ausgelaugt war Anderson im Endspiel gegen den späteren Champion Novak Djokovic.

Dieses Match hat die traditionsbewussten Briten bewogen, ab 2019 im fünften Satz bei 12:12 ein Tiebreak einzuführen. Anderson, der die Änderung gefordert hatte, zeigte sich mit dieser am Freitag verlauteten Regeländerung zufrieden. „Ich weiß nicht, ob es nur mein Vorschlag war, aber es war wirklich gut, dass Wimbledon sich an die Spieler gewandt hat und unsere Meinungen eingeholt hat. Ich denke, es ist ein guter Kompromiss“, meinte Anderson. „Ein Tiebreak bei 12:12 hält sich ein bisschen an die Geschichte und es gibt noch dieses lange Satzgefühl, aber es bietet ein bisschen Schutz, dass du nicht so besonders lange Matches spielst.“




Kommentieren