Letztes Update am So, 21.10.2018 10:10

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Die Spitzenkandidaten für die hessische Landtagswahl



Wiesbaden (APA/dpa) - Routinier Volker Bouffier (CDU) will Regierungschef bleiben, sein SPD-Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel im dritten Anlauf Ministerpräsident werden. Eine neue hessische Regierung wird aus mindestens zwei, wenn nicht sogar drei Partnern bestehen. Die Spitzenkandidaten im Kurzporträt:

VOLKER BOUFFIER (CDU)

Als Innenminister galt Volker Bouffier früher als Scharfmacher. Spätestens mit Beginn der schwarz-grünen Koalition in Hessen ist der Ministerpräsident als Brückenbauer unterwegs. Der CDU-Vize gilt als treuer Unterstützer von Bundeskanzlerin Angela Merkel und ist ein Mann der klaren Sprache. Auf Volksfesten und in Wahlkampfhallen bewegt sich der 66-Jährige genauso selbstverständlich wie auf dem Berliner oder internationalen Parkett. Selbst politische Gegner rechnen dem aus Gießen stammenden Juristen an, dass er sich mit seiner jahrelangen Erfahrung für Hessen und die Belange der Menschen einsetzt. Hart angegangen wurde der CDU-Politiker für seine Rolle als damaliger Innenminister bei der Aufklärung der NSU-Mordserie. Freund und Feind witzeln über seinen Hang zu teils sehr langen Ausführungen. Bouffier ist verheiratet und hat drei Kinder.

THORSTEN SCHÄFER-GÜMBEL (SPD)

Thorsten Schäfer-Gümbel übernahm Ende 2008 als nahezu unbekannter Politiker Verantwortung. Er führte die Sozialdemokraten nach dem gescheiterten Versuch, ein von den Linken toleriertes Bündnis mit den Grünen zu schmieden, zu neuem Selbstbewusstsein. Der 49-Jährige, der auch SPD-Bundesvize ist, tritt zum dritten Mal an, um Ministerpräsident zu werden, zum zweiten Mal gegen Amtsinhaber Bouffier. Der hessische Partei- und Fraktionschef wuchs in Gießen auf, nach dem Abitur (Matura) studierte er Agrar- und Politikwissenschaften. Wäre er nicht in die Politik gegangen, dann wäre er nach eigenen Worten „vielleicht Entwicklungshelfer oder Lastwagenfahrer“ geworden. Schäfer-Gümbel wird auch von seinen politischen Kontrahenten für seinen Fleiß geschätzt. Manchen ist er aber nicht bissig genug.

TAREK AL-WAZIR (GRÜNE)

Tarek Al-Wazir gehört mit Abstand zu den besten Rednern im Hessischen Landtag: Rhetorisch geschliffen, nicht selten mit ironischen Seitenhieben und Wortwitz versehen und fast immer im Angriffsmodus vertritt der 47-Jährige seine Position. Politische Freunde loben sein großes Detailwissen, Kontrahenten bezeichnen es gerne auch als Unfehlbarkeitsanspruch oder arrogantes Belehren. Der Wirtschafts- und Verkehrsminister ist nach Umfragen Hessens beliebtester Politiker und harmoniert - trotz vieler Gegensätze - gut mit Regierungschef Volker Bouffier. Der Mann mit der runden Brille und dem inzwischen ergrauten Bürstenhaarschnitt ist Sohn eines jemenitischen Ex-Diplomaten und einer Offenbacher Lehrerin. Mit 14 Jahren zog er für zwei Jahre zu seinem Vater in die jemenitische Hauptstadt Sanaa. Dort lernte er seine Frau kennen, mit der er zwei Söhne hat.

PRISKA HINZ (GRÜNE)

Priska Hinz ist bereits zum zweiten Mal Umweltministerin in Hessen. Die gelernte Erzieherin saß schon in der 80er-Jahren im Hessischen Landtag und übernahm in einer roten-grünen Regierung unter Ministerpräsident Hans Eichel (SPD) als Nachrückerin 1998 bis 1999 das Ministeramt. Vor ihrer zweiten Amtszeit als Ressortchefin war Hinz von 2005 bis 2014 Bundestagsabgeordnete. Die 59-Jährige mit einem Faible für farbige Brillengestelle verschafft sich im Landtag mit frei gehaltenen Reden und ihrer durchdringenden Stimme gut Gehör. Hinz ist verheiratet und hat zwei Söhne.

JANINE WISSLER (LINKE)

Janine Wissler tritt im Landesparlament mit rhetorischer Schärfe und klarer Argumentation auf. Auch heftige politische Auseinandersetzungen scheut die Vorsitzende der Linksfraktion nicht, ausfällig oder persönlich beleidigend wird die immer sehr modisch gekleidete 37-Jährige aber nie. Wissler engagierte sich im globalisierungskritischen Netzwerk Attac und war eine der Gründerinnen der hessischen Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit (WASG). Ihre politische Heimat sind ultralinke Strömungen in der Partei wie das Netzwerk Marx 21. Wissler ist ledig.

JAN SCHALAUSKE (LINKE)

Mit Jan Schalauske hat die hessische Linke vor vier Jahren an der Parteispitze einen Generationswechsel eingeläutet. Der heute 37-Jährige löste Ulrich Wilken ab, der nach elf Jahren im Amt nicht mehr angetreten war. Schalauske errang bei seiner Wahl 93 Prozent Zustimmung der Delegierten. In den Hessischen Landtag zog der gebürtige Niedersachse vor knapp eineinhalb Jahren als Nachrücker ein. Schalauske studierte Politikwissenschaften in Marburg und trat aus Enttäuschung über die Politik der rot-grünen Bundesregierung in die Partei ein.

RENE ROCK (FDP)

Rene Rock wird auch von politischen Gegnern Kompetenz in der Sozialpolitik bescheinigt. Das Steckenpferd des 50-Jährigen, der sein lichtes Haupthaar ähnlich kurz trägt wie seinen Bart, ist die frühkindliche Bildung. Der FDP-Fraktionschef und Spitzenkandidat ist fest in der Kommunalpolitik verwurzelt, er ist Mitglied der Stadtverordnetenversammlung im südhessischen Seligenstadt und FDP-Fraktionschef im Kreistag Offenbach-Land. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.

RAINER RAHN (AfD)

Rainer Rahn ist als Gegner des Flughafenausbaus vor mehreren Jahren in der Frankfurter Stadtpolitik gelandet. Seitdem saß er bereits in vier Fraktionen im Stadtparlament. Der 66-Jährige mit den grauen Haaren und dem Oberlippenbart ist promovierter Zahnarzt und hat auch Rechtswissenschaften studiert. Die AfD bezeichnet sich in Hessen selbst als bürgerlich-konservativ. In seinen Reden tritt Rahn mit gemäßigtem Vokabular, aber klaren Botschaften gerade in der Flüchtlingspolitik auf. Sein Lieblingsgegner ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die Große Koalition hält er für eine Katastrophe. Rahn ist verheiratet und hat keine Kinder.




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