Letztes Update am So, 21.10.2018 11:20

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Formel 1: Druck und Zweifel wachsen: Vettel und die Ferrari-Zukunft



Austin (APA/dpa) - Es wird nicht leichter für Sebastian Vettel. Beim nächsten Anlauf auf den WM-Titel sitzt neben dem 31-Jährigen schon die Zukunft von Ferrari im zweiten Cockpit. Im Dauerduell mit Lewis Hamilton kann Vettel in der kommenden Formel-1-Saison nicht mehr auf seinen routinierten Partner Kimi Räikkönen vertrauen, sondern muss sich auch mit dem hochtalentierten Stallrivalen Charles Leclerc messen.

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Leclerc ist die Langzeit-Investition bei Ferrari - und der Blick in die Zeit nach dem Deutschen. 2019 wird Vettels fünftes Jahr bei der Scuderia. Im fünften Jahr holte Vorbild Michael Schumacher einst den ersten Titel mit Ferrari. Der Druck wird immer größer auf dessen Nachfolger, der seit seinen triumphalen Jahren bei Red Bull mit den Titeln 2010, 2011, 2012 und 2013 auf Nummer fünf wartet.

Die Kritik an Vettel nimmt zu. Die Fehler, die er sich neben den Patzern des Teams in diesem und im vergangenen Jahr leistete, kratzen zunehmend an seinem Status als unumstrittener Starpilot der Scuderia. „Die Kritiker waren vor einigen Monaten noch Schulterklopfer. Es ist Teil unseres Sports, dass sich das Blatt eben auch mal wendet. Mit der Kritik muss ich leben“, sagte Vettel der „Welt am Sonntag“.

Bei der Wahl des neues Teamkollegen hatte Vettel kein entscheidendes Mitspracherecht. „Sebastian ist unser Fahrer, er ist nicht der Teamchef, bei allem Respekt“, hatte Rennleiter Maurizio Arrivabene in Singapur erklärt. „Wenn wir über Langzeitpläne sprechen, trifft das Management die Entscheidung“, betonte Arrivabene.

Vettel, der 2014 in seinem letzten Jahr bei Red Bull sportlich vom damaligen Team-Neuankömmling Daniel Ricciardo geschlagen worden war, hätte eine weitere Ferrari-Saison mit Räikkönen begrüßt. Er und der acht Jahre ältere Finne verstehen sich bestens. Zwischen ihnen sei das „Bullshit“-Level von Anfang an bei null, wie Vettel einmal betonte.

Räikkönen war schon da, als Vettel vor der Saison 2015 zu Ferrari wechselte. Arrivabene, ehemaliger Manager eines Tabakkonzerns und Ferrari-Sponsors, hatte seinen Posten erst ein paar Wochen vor Vettels Ankunft übernommen.

Nach einem vielversprechenden Premierenjahr mit drei Siegen stagnierte die Kombination Vettel-Ferrari: 2016 musste sich der Hesse zum zweiten Mal in seiner Karriere ohne Sieg in die Winterpause verabschieden. 2017 und heuer meldete sich die deutsch-italienische Arbeitsgemeinschaft bereit für den Kampf um die WM, begann jeweils stark, ließ aber in den entscheidenden Wochen auch stark nach. „Um Mercedes zu besiegen, müssen wir auch einen besseren Job machen“, sagte Vettel - und meint sich auch selbst.

Ein Anschluss an die Erfolge der Paarung Schumacher/Ferrari mit den fünf Titeln des Kerpeners von 2000 bis 2004 lässt weiter auf sich warten. Die Geduld mit Vettel dürfte nicht unendlich sein.

Ferrari denkt längst an die Zukunft. Und die heißt Charles Leclerc, der sein Cockpit bei Sauber mit Räikkönen tauscht. Leclerc entstammt der Ferrari-Nachwuchsschule. Am vergangenen Dienstag wurde der Monegasse 21 Jahre alt. 2016 gewann er die GP3, 2017 die Formel 2. „Ein frühreifer Champion mit einem atemberaubenden Talent“, heißt es ganz unbescheiden auf seiner eigenen Homepage.

Leclerc wird genau das in dem Wagen beweisen wollen, der noch immer die größte Strahlkraft in der Motorsport-Königsklasse besitzt. Er fühlt sich auch in der Lage, den immensen Erwartungen gerecht zu werden. „Wenn Sie mich fragen, was meine größte Qualität ist, sage ich: meine mentale Stärke. Ich habe sie von einer Schwäche zu meiner größten Stärke gemacht“, betonte er.

Dabei stählten ihn zwei große persönliche Verluste. Sein enger Freund Jules Bianchi, der auch davor stand, als Ferrari-Nachwuchspilot zum Stammfahrer zu werden, starb 2015 an den Folgen eines Unfalls. Im vergangenen Jahr starb Leclercs Vater Herve Leclerc, der einst selbst Rennfahrer war.

Enzo Ferrari habe immer gesagt, dass der Teamkollege der erste Gegner sei, den es zu schlagen gelte, erinnerte Arrivabene jüngst an den Ferrari-Gründer. Diese Aufgabe wird für Sebastian Vettel demnächst kaum einfacher. Vettels Ferrari-Vertrag läuft noch bis Ende 2020. Medienberichten zufolge aber hat er eine Ausstiegsklausel nach der nächsten Saison.




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