Letztes Update am So, 21.10.2018 15:05

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zugsunglück in Nordindien löste Bestürzung und Wut aus



Amritsar (APA/dpa) - Bei einem verheerenden Zugsunglück in Nordindien sind am Freitag Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Ein Zug fuhr am Freitagabend im Bundesstaat Punjab in eine auf den Gleisen stehende Menschenmenge und tötete rund 60 Menschen, darunter auch Kinder. In einigen Medienberichten war von 60 oder 61 Toten die Rede, in anderen von 59.

Am Wochenende versammelten sich viele wütende Menschen an der Unglücksstelle. Bis zu 700 gläubige Hindus hatten am Freitagabend nahe der Stadt Amritsar das Hindu-Fest Dussehra gefeiert. Dabei werden Bildnisse des Dämonengottes Ravana verbrannt, und Feuerwerk wird gezündet. Nach Berichten lokaler Medien hatten sich viele Menschen auf die höher gelegenen Gleise gestellt, um besser sehen zu können. Wegen der lauten Böller hatten sie den heranfahrenden Zug demnach nicht hören können. Der Zug fuhr mit hoher Geschwindigkeit in die Menschenmenge, tötete Dutzende und verletzte mindestens 134 Menschen teils schwer.

Papst Franziskus versicherte den Opfern des Zugsunglücks in Indien seinen geistlichen Beistand. Er bete für alle Toten und um sie Trauernden, heißt es laut Kathpress in einem am Sonntag vom Vatikan veröffentlichten Beileidsschreiben des Kirchenoberhaupts. Franziskus erbitte Heilung für alle Verletzten und bete auch für alle Rettungskräfte, so das von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichnete Dokument.

Wer die Verantwortung für die Tragödie trägt, war am Sonntag noch unklar. Der Ministerpräsident des Punjab, Amarinder Singh, ordnete am Samstag eine behördliche Untersuchung an. Innerhalb von vier Wochen sollen Ergebnisse vorliegen.

Die Bahngesellschaft wies jegliche Verantwortung von sich. Sie sei nicht über die Feier nahe den Schienen informiert gewesen, sagte Bahn-Chef Ashwani Lohani der indischen Nachrichtenagentur Ani. Die Menschen müssten besser aufpassen, um nicht die Schienen zu betreten. Der Lokführer sagte aus, er habe ein grünes Signal gehabt und nicht gewusst, dass Hunderte Menschen auf den Schienen standen. Die „Times of India“ schrieb, der Rauch des Feuerwerks habe seine Sicht behindert.

Am Samstag und Sonntag versammelten sich Dutzende Menschen an der Unglücksstelle. Sie trauerten und legten Leichname zur Einäscherung auf Holzscheite. Viele demonstrierten gegen die Regierung des Punjab und forderten Aufklärung. Laut der „Times of India“ warfen manche Demonstranten Steine. Es gab mehrere Leichtverletzte. Mehrere Zugverbindungen wurden gestrichen.

Gegen die Veranstalter des Festes wurde laut lokalen Medien zunächst nicht vorgegangen. Die Verantwortlichen seien untergetaucht, meldete der Sender News 18 India am Samstag. Die „Times of India“ berichtete, es habe laut Stadtverwaltung keine Genehmigung für das Fest gegeben.

Die Politik reagierte schockiert auf die Tragödie. Der indische Premierminister Narendra Modi drückte am Freitagabend sein Mitgefühl auf Twitter aus. „Extrem traurig über das Zugsunglück in Amritsar. Die Tragödie ist herzzerreißend. Ich möchte den Familien, die ihre Angehörigen verloren haben, mein tief empfundenes Beileid aussprechen und bete, dass sich die Verletzten schnell erholen. Habe die Beamten gebeten, die erforderliche Soforthilfe zu leisten.“

Der Minister für lokale Verwaltung und Kultur, Navjot Singh Sidhu, besuchte laut der Agentur Ani am Sonntag Verletzte im Krankenhaus. Ministerpräsident Amarinder Singh ordnete am Samstag angesichts der Tragödie eine eintägige Trauer in dem Bundesstaat an und sagte den Opfern und ihren Familien Hilfe zu.

(Wochenendmeldung)




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