Letztes Update am Mo, 22.10.2018 06:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


US-Kongresswahl - Drei Frauen könnten Geschichte schreiben



Washington (APA) - Sklaverei, Rassentrennung und Männerwahlrecht sind in den USA längst passe, aber für historische Durchbrüche ist es nie zu spät. Drei demokratische Frauen könnten bei der US-Kongresswahl am 6. November Geschichte schreiben: Alexandria Ocasio-Cortez als bisher jüngste Abgeordnete, Ilhan Omar als erste somalisch-stämmige Mandatarin und Deb Haaland als erste Ureinwohnerin im US-Kongress.

ALEXANDRIA OCASIO-CORTEZ (29) tritt in einer Demokratenhochburg in New York an und hat ihren Sitz schon so gut wie sicher. Bei der Kongresswahl 2016 stimmte der Wahlbezirk, zu dem Teile der New Yorker Stadtviertel Bronx und Queens gehören, mit 77 Prozent demokratisch. Landesweit bekannt wurde die 29-Jährige Ende Juni, als sie den seit 20 Jahren im Kongress sitzenden Kongressabgeordneten Joe Crowley in der Vorwahl besiegte, was als Ohrfeige für das Establishment der Demokraten gewertet wurde. Ocasio-Cortez wurde in der Bronx als Tochter puerto-ricanischer Einwanderer geboren und studierte Wirtschaft in Boston. Im Wahlkampf wies sie darauf hin, dass sie nach dem Studium wieder als Kellnerin im Taco-Schnellrestaurant ihrer Mutter gearbeitet hatte. Ocasio-Cortez gehört den „Demokratischen Sozialisten Amerikas“ an, einer im US-Politspektrum als linksradikal geltenden Organisation.

ILHAN OMAR (36) muss sich um ihren Sieg ebenfalls keine Sorgen machen. Ihr Wahlkreis in Minnesota, der den Großraum von Minneapolis umfasst, stimmte vor zwei Jahren mit 69 Prozent für den Demokraten Keith Ellison. Dieser war im Jahr 2007 als erster Moslem ins Repräsentantenhaus eingezogen. Omar will nun die erste somalisch-stämmige Mandatarin werden, und wäre neben Rashida Tlaib die zweite Muslima in der größeren US-Parlamentskammer. 1982 in Mogadischu geboren, war Omar nach dem somalischen Bürgerkrieg im Jahr 1995 in die USA gekommen. Im Jahr 2016 wurde sie ins Regionalparlament von Minnesota gewählt, im September des Vorjahres nahm sie das Time Magazine auf eine Liste von 46 Frauen, „die die Welt verändern“, auf. So wie Ocasio-Cortez gilt auch Omar als Vertreterin des linken Parteiflügels und ist „stolz“ darauf, „demokratische Sozialistin“ zu sein.

DEB HAALAND (57) will über einen Wahlkreis in New Mexico als erste US-Ureinwohnerin in den Kongress einziehen. Die Angehörige des Volkes der Laguna will ihre demokratische Parteifreundin Michelle Lujan Grisham beerben, die am 6. November bei den Gouverneurswahlen antritt. Lujan Grisham hatte sich im Wahlkreis, der auch die Metropole Albuquerque umfasst, vor zwei Jahren mit 65 Prozent der Stimmen durchgesetzt. Die promovierte Juristin Haaland, deren Vater norwegisch-stämmig ist, war von 2013 bis 2015 Verwalterin des Ureinwohnergebiets San Felipe Pueblo, danach wurde sie zur Chefin der Demokratischen Partei in New Mexico gewählt. Beide Eltern Haalands waren in der US-Armee tätig, wegen zahlreichen Umzügen besuchte sie eigenen Angaben zufolge 13 verschiedene Schulen. Die frühere regionale Kampagnenleiterin von Barack Obama streicht vor allem ihre Erfahrungen als Alleinerzieherin einer Tochter hervor. „Ich weiß, was es heißt, um Lebensmittelmarken ansuchen zu müssen“, sagte sie im Wahlkampf. „Ich weiß, was es heißt, Einkäufe ins Regal zurückstellen zu müssen, weil man zu wenig Geld hat.“




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