Letztes Update am Mo, 22.10.2018 11:08

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Von Anstrengung keine Rede: Elder servierten ausladenden Rock in Wien



Wien (APA) - 23 Tage ohne Pause haben Elder nun Europa unsicher gemacht: Die US-Rockband um Sänger, Gitarrist und Songwriter Nick DiSalvo krönte ihre aktuelle Tour am Sonntagabend in der Wiener Arena. Dort wurde ausladender Rock mit hymnischer Note serviert und vom Publikum begierig aufgesogen. Von Anstrengung keine Spur, wobei DiSalvo diesbezüglich meinte: „Es kommt ganz darauf an, wie du es machst.“

Damit sprach der schlaksige Musiker den Konzertstress an. „Normalerweise haben wir bei so einer langen Tour schon ein, zwei spielfreie Tage eingebaut. Diesmal war das aber nicht der Fall. Wenn du lange feierst und spät zu Bett gehst, dann spürst du das natürlich am nächsten Tag. Du kannst aber auch ordentlich mit dir und deinem Körper umgehen, dich gut ernähren. Nur ist das meistens nicht der Fall“, lachte der US-Amerikaner, der seit einigen Jahren in Berlin lebt. „Es ist also schon ziemlich anstrengend.“

Zum Glück bekommt man diesen Umstand live kaum mit: Gleich mit dem Opener „Dead Roots Stirring“ schlugen DiSalvo und seine Kollegen Jack Donovan (Bass), Matt Couto (Schlagzeug) and Michael Risberg (Gitarre) die Pflöcke ein, ließen die mächtigen Riffs mit viel Liebe zum Detail mäandern und bogen ein ums andere Mal in überraschende Gefilde ab. Wer kaum ein Stück unter zehn Minuten ins Ziel einlaufen lässt, der braucht schon reichlich Ideen und ein Gefühl für die passenden Strukturen - beides ist bei DiSalvo offenbar im Überfluss vorhanden.

„Ich weiß auch nicht, warum die Songs immer so lang werden“, meinte er im APA-Interview. „Ich schwöre, dass ich das nicht plane. Grundsätzlich wollen wir uns einfach herausfordern. Dabei soll aber die Musik nicht gewollt kompliziert klingen, von selbstvergessenem Spiel halte ich eigentlich nicht viel. Ich möchte einfach Songs schreiben, die kein Gramm Fett zu viel haben.“ Was ob der epischen Ausrichtung von Liedern wie „Sanctuary“ nach einem Widerspruch klingt, kann man schon unterschreiben: Stets wird der Hörer von der Notwendigkeit des nächsten Abschnitts überzeugt und entwickeln sich Melodien wie von selbst weiter.

Dabei macht der Sound von Elder in erster Linie einfach Spaß: Typisch für eine Band aus dem weiten Feld des Stoner Rock mit reichlich progressiven Einschüben, wird gerne und ausgiebig dem Groove die Ehre erwiesen, ohne aber den Absprung vom repetitiven Moment zu verpassen. Ein gutes Beispiel dafür war „Compendium“ vom 2015er-Werk „Lore“, das mit markanten Gitarrenleads für hohen Wiedererkennungswert sorgte, während „Staving Off Truth“ besonders im Mittelteil Zeit zum Durchschnaufen bot und atmosphärische Keyboardflächen eingewoben wurden.

Inhaltlich geht DiSalvo recht assoziativ ans Werk, misst seinen Texten allerdings nicht übertrieben viel Wert bei. „Alles gehört zusammen. Aber ich bin sicher kein wahnsinnig begnadeter Texter“, schmunzelte er. Ob er sich eigentlich auch eine politischere Schlagseite für die Lieder vorstellen könnte? „Grundsätzlich schon. Zum Teil habe ich mich ja mit verschiedenen Systemen auseinandergesetzt, meistens waren es Religionen. Aber wenn du dir die Welt gerade anschaust: Sie ist innerhalb weniger Jahre ziemlich verrückt geworden. Überall befinden sich rechte Parteien im Aufwind, und viele andere Kollegen beschäftigen sich damit. Allerdings will ich nichts predigen im Bandkontext. Wir müssen uns einfach alle als menschliche Wesen behandeln, nur dann können wir diese verrückte Spaltung überwinden.“

Insofern kann man sich bei Elder durchaus fallen lassen - da scheint auch der Titel der jüngsten Platte „Reflections of a Floating World“ eine gute Referenz. Und an neuem Material wird bereits eifrig gearbeitet. „Es ist aber schwierig, darüber zu reden. Die Songs können sich noch stark verändern. Was ich bisher habe, ist jedenfalls sehr melodisch“, so DiSalvo, der in Deutschland auch Germanistik studiert hat und einige Zeit als Übersetzer arbeitete. Mittlerweile hat die Musik aber wieder ganz die Oberhand übernommen. Wohl nicht nur für seine Fans ein Glücksfall. „Wirklich gut waren meine Übersetzungen nicht“, lachte der Gitarrist.

(S E R V I C E - https://beholdtheelder.com)




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