Letztes Update am Mo, 22.10.2018 13:36

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Niger kündigte Entschädigung für hunderte Fluorid-Opfer an



Niamey (APA/AFP) - Knapp 20 Jahre nach ersten Enthüllungen und drei Jahre nach einem entsprechenden Gerichtsurteil hat sich die Regierung des afrikanischen Staats Niger zur Entschädigung von hunderten Bürgern bereit erklärt, die als Kinder wegen zu hoher Fluoridwerte im Trinkwasser bleibende Schäden davongetragen haben.

Insgesamt sollen den Betroffenen in der Gemeinde Tibiri umgerechnet rund drei Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden, teilte Finanzminister Hassoumi Massoudou am Montag dem Parlament in Niamey mit.

„Wir werden zahlen. Es gibt keinen Grund, warum die Regierung dem Urteil nicht folgen sollte“, sagte Massoudou. Wann die Entschädigungen gezahlt werden, ließ er jedoch offen.

Die Menschenrechtsvereinigung des westafrikanischen Staats (ANDDH) hatte den Skandal im Jahr 2000 ans Licht gebracht, nachdem Ärzte in der ländlichen Gemeinde wegen der vielen Missbildungen bei Kindern zwischen 15 Monaten und 15 Jahren Alarm geschlagen hatten. Unter anderem waren ihre Schädel zu groß, die Kinder litten an Krämpfen und chronischen Schmerzen, ihre Knochen waren deformiert oder brachen rasch, und ihre Zähne waren verfärbt.

Internationale Messungen ergaben einen deutlich erhöhten Fluoridanteil im Trinkwasser der staatlichen Wasserbetriebe SNE: Dieser überschritt zwischen 1985 und 2000 die von der Weltgesundheitsorganisation WHO festgelegte Höchstgrenze um das Vierfache.

Nach Schätzungen der örtlichen Gesundheitsbehörden waren damals fast 5.000 Kinder und Jugendliche betroffen. Im Jahr 2001 wurde SNE vom französischen Vivendi-Konzern übernommen.




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