Letztes Update am Di, 23.10.2018 10:14

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Russische Satire über Korruption testen Grenzen der Meinungsfreiheit



Moskau (APA/AFP) - Eine Fernsehserie, die die korrupte Elite verspottet, ein Film, der die Grausamkeit der Justiz zeigt: Mehrere aktuelle russische Produktionen testen die Grenzen der Meinungsfreiheit aus. Die großen Sender werden in Russland streng kontrolliert, Kritik an den Machthabern ist tabu.

Doch der beliebte Unterhaltungskanal TNT traut sich. Im Mittelpunkt seiner wöchentlichen Comedy-Serie „Hausarrest“ steht ein Provinzbürgermeister, der wegen Korruption festgehalten wird - nachdem ihm der Geheimdienst in eine Falle gelockt hatte. Tipps für die Serie bekam Autor Semijon Slepakow von einem Freund, der selbst gerade unter Hausarrest steht.

In „Hausarrest“ geht es um die korrupte Elite auf lokaler Ebene - ein Thema, das auch in den staatlichen Medien ausführlich behandelt wird. Über Korruption auf höchster Ebene, wie sie der Oppositionelle Alexej Nawalny anprangert, wird dagegen geschwiegen.

Das unabhängige Nachrichtenportal „Medusa“ lobt die Serie als „charmante Satire über die korrupten Behörden“. Andere kritisieren, dass der Geheimdienst darin viel zu gut wegkomme. „In ‚Hausarrest‘ wird deutlich, was erlaubt ist und was nicht, wer angegriffen werden darf und wer nicht“, schreibt die Zeitung „Nowaja Gaseta“.

Autor Slepakow bestreitet, sich zurückgehalten zu haben, um der Zensur zu entgehen. „Die Warnungen des Westens, dass man sich nicht aus der Deckung trauen kann, ohne einen Schlag zu riskieren, sind übertrieben“, sagt Slepakow. „Wir sind noch weit von Nordkorea entfernt.“

Doch Zensur findet statt. Die britische Komödie „The Death of Stalin“ darf in Russland nicht gezeigt werden, genauso wenig wie Dokumentationen über den Konflikt in der Ost-Ukraine. Ein Stück über den schwulen Balletttänzer Rudolf Nurejew am Bolschoi-Theater wurde immer wieder verschoben und dann offenbar zensiert. Produzent des Stücks ist Starregisseur Kirill Serebrennikow, der seit über einem Jahr unter Hausarrest steht.

Als Kritik an den Zuständen in Russland kann auch der Film über den Schriftsteller Leo Tolstoi der Regisseurin Awdotja Smirnowa verstanden werden. In dem Film „Geschichte einer Verabredung“ versucht der junge Tolstoi vergeblich, einen jungen Adjudanten vor der Hinrichtung zu retten, indem er die unerbittlich harsche Justiz der Zarenzeit um Gnade bittet.

„Da denkt man automatisch an die Gegenwart und das Verfahren gegen Oleg Senzow“, schreibt Filmkritiker Andrej Plachow in der Tageszeitung „Kommersant“ und bezog sich auf den ukrainischen Filmemacher, der wegen des Vorwurfs des Terrorismus auf der von Russland besetzten Krim zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Regisseurin Smirnowa hat sich für die Freilassung ihres Kollegen Serebrennikow und anderer Künstler eingesetzt. Doch Parallelen im Film zu aktuellen Fällen seien zufällig, sagt sie. Als Serebrennikow und Senzow festgesetzt wurden, sei das Drehbuch längst fertig gewesen. „Ehrlich gesagt, bin ich nicht froh, dass die derzeitige Situation den Film so aktuell erscheinen lässt.“




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