Letztes Update am Di, 23.10.2018 11:29

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Grazer Pyramidenspiel-Prozess - Erste Zeugen befragt



Graz (APA) - Im Grazer Straflandesgericht ist am Dienstag der Prozess um einen groß angelegten „Schenkkreis“ in der Weststeiermark fortgesetzt worden. Die sieben Angeklagten müssen sich in erster Linie wegen Pyramidenspiels und Betruges verantworten. Am fünften Verhandlungstag wurden erste Zeugen befragt. Es ging um die Einsätze beim Spiel und um mögliche Gewinne.

Das Pyramidenspiel hatte sich von 2006 bis 2008 vor allem über Verwandte im Raum Voitsberg verbreitet. Die sieben Angeklagten - die Fälle von neun weiteren Beschuldigten wurden bereits mittels diversioneller Einigung erledigt - hatten alle nicht nur ihre Einsätze wiederbekommen, sondern durchwegs Gewinne gemacht, einige sogar über 100.000 Euro. Anders erging es zahlreichen anderen Mitspielern, die ihre Einsätze verloren hatten, obwohl ihnen laut Anklage zugesichert worden war, sie könnten jederzeit ohne Verlust aussteigen

Beim vorangegangenen Verhandlungstermin hatte Staatsanwalt Hansjörg Bacher das Teilgeständnis des Erstangeklagten ziemlich zerpflückt. Der 52-Jährige sah sich daher am Dienstag bemüßigt, eine schriftliche Erklärung vorzulegen, in der er sein Geständnis bezüglich Teilnahme und Verbreitung eines Pyramidenspiels erneuerte. Die Zweitangeklagte folgte seinem Beispiel, auch sie bekräftigte ihr Teilgeständnis. Zum Betrug fühlten sie sich aber nach wie vor nicht schuldig.

Die erste Zeugin schilderte, wie sie 10.000 Euro einbezahlt habe. „Ich war dann schon ganz unten in der Liste, aber ich habe nichts bekommen“, bedauerte sie. „Warum nicht?“, interessierte Richter Andreas Rom. „Weil das Spiel nicht mehr weitergegangen ist“, antwortete die Frau. Sie fühlte sich geschädigt und möchte von den Angeklagten ihre 10.000 Euro zurück. „Ich habe mit dem Ganzen abgeschlossen, es hat mich aber sehr belastet“, meinte sie.

Dann hielt ihr einer der Verteidiger vor, dass sie eine Auszahlung von 23.000 Euro bekommen hätte - also keinen Schaden von 10.000, sondern einen Gewinn von 13.000 Euro verbucht habe. „Das weiß ich nicht mehr, da muss ich mit meiner Schwester reden“, wehrte die Befragte ab. „Bekommen Sie so oft 23.000 Euro, dass Sie sich nicht mehr erinnern können?“, wunderte sich ein Anwalt.

Als nächster Zeuge kam ihr Sohn, der ebenfalls mitgespielt hatte. Er hat 10.000 Euro eingesetzt und tatsächlich 80.000 bekommen. In gewisser Weise fühlte er sich trotzdem geschädigt, weil er seinen gesamten Gewinn an die Personen verteilt hatte, die er als seine Abdeckungen angeworben hatte. Schadensersatzansprüche stellte er aber keine.




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