Letztes Update am Di, 23.10.2018 14:56

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Viagra des Himalaya“ wegen Klimawandels immer seltener



Peking (APA/AFP) - Der Klimawandel bedroht das wertvolle „Viagra des Himalaya“: Ein in Raupen wuchernder Schmarotzerpilz, der in der volkstümlichen Medizin Chinas als Aphrodisiakum gilt, könnte wegen des massiven Temperaturanstiegs im Himalaya-Gebirge künftig deutlich seltener werden, berichteten US-Forscher. Trifft die Vorhersage ein, würden viele Menschen in der Region ihre wichtigste Einnahmequelle verlieren.

Vor allem das veränderte Klima während der Winter sei für den Rückgang des sogenannten Chinesischen Raupenpilzes verantwortlich, warnte Kelly Hopping, Co-Autorin der in der Zeitschrift der Nationalen Akademie der Wissenschaften veröffentlichten Studie. Außerdem würden die Bestände der Raupenpilze bereits jetzt zu stark genutzt. „Selbst wenn die Menschen beginnen, ihre Ernten zu reduzieren, wird die Produktion sicher weiter wegen des Klimawandels sinken“, sagte Hopping.

Der Schmarotzerpilz bevorzugt kalte und hochgelegene Regionen als Lebensräume, in denen es dennoch nicht zu häufig schneit. Mit den steigenden Temperaturen im Himalaya werden die Lebensräume für den Pilz rar. Im Königreich Bhutan am östlichen Rand des Gebirges wird der Anstieg der Durchschnittstemperatur zwischen 1979 und 2013 auf bis zu vier Grad geschätzt.

Der in der traditionellen chinesischen Medizin begehrte Pilz erzielt Höchstpreise und sichert Familien im Himalaya den Lebensunterhalt. Der Studie zufolge wurde im Mai 2017 ein Kilo hochwertiger Raupenpilze für 140.000 Dollar (122.000 Euro) verkauft. Zum Vergleich: Der Preis für Gold liegt derzeit bei rund 40.000 Dollar pro Kilo.

Das „Viagra des Himalay“ sorgte vor diesem Hintergrund immer wieder für heftige Konflikte. In den Jahren 2009 und 2016 kam es zu tödlichen Auseinandersetzungen zwischen Pilzsammlern.

Die Forscher befragten für ihre Studie rund 40 Sammler des Chinesischen Raupenpilzes in Tibet und Sichuan in China. Dazu analysierten sie Interviews aus anderen Studien mit rund 800 Menschen aus der Region. Die Wissenschafter verglichen die Aussagen anschließend mit Daten aus der Umwelt, der Geografie und dem Wetter.




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