Letztes Update am Mi, 24.10.2018 12:02

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zeman-Kritiker nicht zu Festakt zur Republiksgründung eingeladen



Prag (APA) - Der tschechische Präsident Milos Zeman sorgt wieder einmal mit seinem Empfang am tschechischen Nationalfeiertag auf der Prager Burg für Kritik. Diesen Sonntag wird der 100. Jahrestag der Gründung der Tschechoslowakei in Prag feierlich begangenen. Gegner und Kritiker des Präsidenten wurden zu dem Festakt demonstrativ nicht eingeladen.

Betroffen sind mehrere Senatoren, Abgeordnete, Kreishauptmänner und Universitäts-Rektoren, wie tschechische Medien am Mittwoch berichteten. Der Sprecher Zemans, Jiri Ovcacek, reagierte auf die Kritik polemisch. Er bezeichnete den Schritt als „Höflichkeit“ gegenüber den Betroffenen. „Wir wollen sie nicht vor das überflüssige Dilemma stellen, ob sie kommen sollen oder nicht. Schon seit sechs Jahren müssen sie verbittert mit der Tatsache leben, dass die Bürger Milos Zeman bereits zwei Mal zum Staatspräsidenten gewählt haben“, so Ovcacek. Die Zahl der nicht Eingeladenen bezeichnete er als „minimal“, sie würden in einen „größeren Aufzug hineinpassen“.

Bei den demonstrativ nicht geladenen Personen handelt es sich Medienberichten zufolge um Personen, die den Präsidenten in der Vergangenheit öffentlich kritisiert haben, vor allem im Wahlkampf vor den Präsidentenwahlen im Jänner dieses Jahres. Neben anderen erhielten der Rektor der Masaryk-Unibversität in Brünn, Lukas Bek, der Fraktionsvorsitzende der liberal-konservativen TOP 09, Miroslav Kalousek, und der Chef der Bürgermeisterpartei (STAN), Petr Gazdik, keine Einladung zum feierlichen Akt am 28. Oktober. „Angesichts seiner (Zemans) Politik sehe ich es als eine Ehre, nicht eingeladen zu sein“, reagierte Gazdik.

Auf der Liste der Geladenen des traditionellen Empfangs im Amtssitz des Präsidenten auf der Prager Burg fehlen auch die Konkurrenten Zemans bei der diesjährigen Präsidentenwahl Jiri Drahos, Pavel Fischer und Marek Hilser, obwohl alle drei vor kurzem zu Senatoren gewählt wurden.

Der Festakt findet am tschechischen Nationalfeiertag, am 28. Oktober, auf der Prager Burg statt. Zeman wird eine Rede halten und gleichzeitig Staatsorden an mehrere Persönlichkeiten verleihen. Der Empfang bei Zeman war auch in den vergangenen Jahren immer wieder von Streit überschattet. Vergangenes Jahr hatte Zeman in seiner Rede scharfe Kritik an den öffentlich-rechtlichen Medien geübt, woraufhin mehrere Teilnehmer demonstrativ den Saal verließen. Im Vorjahr hatte Zeman die geplante Auszeichnung eines Holocaust-Überlebenden abgesagt. Hintergrund war laut Medienberichten ein Treffen des mit dem Holocaust-Opfer verwandten damaligen Kulturministers mit dem Dalai Lama. Zahlreiche geladene Politiker und Prominente boykottierten deshalb den Empfang in der Burg.




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