Letztes Update am Mi, 24.10.2018 12:08

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kinder empfinden den Verlust des ersten Milchzahns meist positiv



Zürich (APA/sda) - Der Verlust eines Milchzahns kann für Kinder gruselig sein. Oder aber ein freudiges Ereignis, gehören sie damit doch endlich zu den „Großen“. Welche Gefühle mit diesem Meilenstein einhergehen und warum, haben Forschende der Universität Zürich mit einer Umfrage ergründet.

In knapp 1.300 eingereichten Fragebögen gaben Eltern Auskunft über den ersten Milchzahnverlust ihres Kindes, wie die Hochschule am Mittwoch mitteilte. Demnach löst das Ereignis bei vier von fünf Kindern positive Gefühle wie Freude oder Stolz aus. Davon berichten die Wissenschafter um Raphael Patcas und Moritz Daum im Fachblatt „International Journal of Paediatric Dentistry“.

Einen großen Einfluss, ob der Verlust des Milchzahns mit Freude oder Angst einhergeht, hätten frühere Erfahrungen mit Zahnarztbesuchen, fanden die Forscher heraus. Musste ein Kind schon einmal wegen Karies zum Zahnarzt, waren dabei meist Schuldgefühle und Scham im Spiel. Das scheint nachzuwirken auf das Erleben des ersten Milchzahnverlusts, und so löste dieser bei den betroffenen Kindern eher negative Gefühle aus.

Musste ein Kind früher allerdings zum Beispiel wegen eines Unfalls zum Zahnarzt, erlebe es den späteren Milchzahnverlust eher positiv, berichteten die Forscher: Das immer stärkere Wackeln des Zahns bis zum Ausfallen sei ein langsamer und vorhersehbarer Prozess, auf den sich die Kinder vorbereiten könnten - also anders als bei einem Unfall.

Das sei eine für Eltern und Zahnmediziner wichtige Erkenntnis: „Gerade bei Problemen mit Karies lohnt es sich, mit Kindern behutsam zu kommunizieren“, wurde Daum in der Aussendung zitiert. „Damit lassen sich Emotionen im Zusammenhang mit Zähnen und Zahnärzten in möglichst positive Bahnen lenken.“

Aber auch Bildungsgrad der Eltern und deren Kultur haben einen Einfluss, ob positive Gefühle wie Freude oder Stolz bei den Kindern beim Verlust des ersten Milchzahns überwiegen. So zeigte die Studie, dass die Wahrscheinlichkeit für positive Emotionen stieg, wenn die Eltern aus nicht-westlichen Ländern stammten.

Die Forscher vermuten, dass dies auf kulturelle Unterschiede zurückgehen könnte: „In lateinamerikanischen und afrikanischen Kulturen zum Beispiel sind Rituale im Zusammenhang mit körperlichen Veränderungen viel stärker im Familienkreis etabliert als in unserer westlichen, säkularen Lebensweise“, erklärte Studienerstautor Raphael Patcas auf Anfrage.

Am bekanntesten dürfte in der westlichen Kultur zwar die Zahnfee sein, die für ausgefallene Milchzähne Geld oder Geschenke bringt. Es gebe jedoch eine Vielzahl von alten volkstümlichen Ritualen in Zusammenhang mit dem Verlust von Milchzähnen, wie den Zahn feierlich ins Feuer zu werfen, oder ihn als Opfergabe an Vögel, Mäuse und mythischen Wesen zu verschenken, so Patcas. Da derlei Details jedoch in der Befragung nicht spezifisch abgefragt wurden, sei die Erklärung über Familienrituale nur eine Vermutung, warum bei Kindern in nicht-westlichen Familien die positiven Gefühle beim Milchzahnverlust ausgeprägter seien.

(S E R V I C E - Fachartikelnummer - DOI: 10.1111/ipd.12427)




Kommentieren