Letztes Update am Mi, 24.10.2018 12:38

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gute Versorgung für Schlaganfallpatienten in Österreich



Wien (APA) - Pro Jahr werden in Österreich rund 24.000 Schlaganfälle registriert. Knapp 20 Prozent der Patienten erhalten bereits eine medikamentöse Therapie zur Auflösung des Gerinnsels in einem Gehirngefäß. Das ist international ein Spitzenwert, betonten am Mittwoch Experten aus Anlass des Welt-Schlaganfall-Tages (24. Oktober) bei einer Pressekonferenz in Wien.

„17 Millionen Menschen erkranken jährlich weltweit an einem Schlaganfall. Davon sterben sieben Millionen Menschen. Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, steigt weltweit“, sagte Michael Brainin, Präsident der World Stroke Organisation (Donau Universität Krems). Etwa eine von sechs bis sieben Personen erleidet im Leben einmal einen Schlaganfall. „In China liegt das Risiko bei eins zu drei, in Ost- und Mitteleuropa bei eins zu vier.“

Bei verdächtigen Symptomen - halbseitig ungleiche Gesichtsmimik, einseitige Arm- oder Beinschwächen, Sprachstörungen oder starre Blickrichtung auf eine Seite - muss sofort der Notarzt alarmiert werden-. Es besteht Lebensgefahr oder die Gefahr schwerster bleibender Hirnschädigungen. Das Zeitfenster für die Möglichkeit zur medikamentösen Auflösung des Blutgerinnsels (Thrombolyse) beträgt normalerweise nur bis zu 4,5 Stunden. Für eine per Katheter erfolgende Entfernung eines Blutgerinnsels bei einem schweren Schlaganfall stehen normalerweise sechs Stunden zur Verfügung. Beide Zeitfenster können in bestimmten Fällen nach Magnetresonanz-Untersuchung aber auch ausgedehnt werden.

In Österreich existiert laut den Experten prinzipiell eine sehr gute Versorgung, was Patienten mit akuten Schlaganfällen betrifft. „Wir haben derzeit 38 ‚Stroke Units‘, bald werden es 40 sein. 60 Prozent der Patienten kommen binnen drei Stunden ins Spital. Die Zeit bis zur Thrombolyse beträgt im Durchschnitt rund 35 Minuten. Österreich hat international mit Katalonien die höchste Thrombolyserate mit rund 20 Prozent. In den USA hat man das mit großer Anstrengung erst auf sieben bis zehn Prozent steigern können“, sagte Stefan Kiechl, Präsident der Österreichischen Schlaganfallgesellschaft.

In den vergangenen Jahren ist mit der sogenannten Thrombektomie, bei welcher im Falle eines schweren und durch Thrombolyse nicht beseitigbaren Gerinnsel-Verschlusses eines Gehirngefäßes durch eine Katheterintervention der Thrombus entfernt wird, ein weiterer Fortschritt gelungen. „Man rechnet, dass man dafür ein Zentrum (an jedem Tag 24 Stunden in Betrieb; Anm.) pro Million Einwohner benötigt“, sagte der Experte. In Wien gibt es bereits drei, in Innsbruck, Salzburg, Graz, St. Pölten und Tulln wird diese Therapie ebenfalls angeboten. Weitere Zentren (Feldkirch, Eisenstadt, Wiener Neustadt) befinden sich im Aufbau.

Derzeit schätzt man den Bedarf an Thrombektomie-Behandlungen für Österreich und Jahr auf etwa 1.200 bis 1.400. 2018 dürfte bereits die Zahl von rund 1.000 erreicht werden.

Trotzdem sollte der Prävention wesentlich größerer Stellenwert zukommen. „Die Interstroke-Studie hat gezeigt, dass zehn Risikofaktoren für 90 Prozent aller Schlaganfälle verantwortlich sind: Bluthochdruck, Bewegungsmangel, ungünstige Blutfettwerte, Ernährung, Übergewicht, Rauchen, psychosoziale Faktoren, Alkohol, Herzerkrankungen und Diabetes“, sagte Julia Ferrari, Neurologin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien.

Das österreichische Schlaganfall-Register zeigt folgende Situation: 79 Prozent der Patienten hatten einen zu hohen Blutdruck, 54 Prozent zu hohe Blutfettwerte, 26 Prozent Vorhofflimmern - und 18 Prozent waren Raucher. Passiv-Rauch-Belastung erhöht laut der Expertin das Schlaganfallrisiko auf das Doppelte. Im US-Bundesstaat Arizona hätte ein generelles Rauchverbot an öffentlich zugänglichen Orten zu einer Reduktion der Zahl der Schlaganfälle um 14 Prozent geführt.




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