Letztes Update am Mi, 24.10.2018 13:47

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Haus der Geschichte - Chronologie: 100 Jahre Anlauf 1



Wien (APA) - Der Anlauf für das „Haus der Geschichte“, das nun am 10. November mit einer Ausstellung zum 100-jährigen Republiksjubiläum eröffnet, ist ebenso alt wie der nun beleuchtete Zeitraum selbst. Folgend ein kursorischer Überblick über Ideen, Machbarkeitsstudien und Verwerfungen.

Die Errichtung eines Museums zur österreichischen Geschichte war schon unmittelbar zu Beginn der Ersten Republik erstmals Thema. So dachte der Staatsrat bereits 1919 an die Einrichtung einer „Geschichtskammer“, die in der Republik Deutsch-Österreich „kulturelle, identitätsstiftende Werte“ vermitteln sollte. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Thema jedoch in der Schublade, 1946 wurden dafür gleich zwei Institutionen geplant: Im Leopoldinischen Trakt der Hofburg wollte der damalige Bundespräsident Karl Renner ein „Museum der Ersten und Zweiten Republik“ etablieren, das bis zu Renners Tod 1951 aber nur teilweise realisiert wurde. Am Heldenplatz entstand in der Neuen Burg parallel ein „Museum für Österreichische Kultur“: Dessen Bestände wurden 1975 aufgrund sinkender Besucherzahlen magaziniert und erst 1987 in Eisenstadt für einige Jahre wieder gezeigt.

Diskussionen um die Errichtung eines Hauses der Geschichte flammten in den 1980er-Jahren wieder auf, als ein „Haus der Republik“ am Albertinaplatz angedacht wurde. Als nächste Idee brachte Leon Zelman, Leiter des Wiener Jewish Welcome Service, Mitte der 1990er ein „Hauses der Toleranz“ im Palais Epstein ins Spiel, das vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes und der EU-Beobachtungsstelle gegen Rassismus etabliert werden sollte - hier kam es sogar zu einer Machbarkeitsstudie. Parallel dazu forcierte der damalige Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums (HGM) Manfried Rauchensteiner die Erweiterung des HGM um ein „Österreichisches Nationalmuseum“, was schließlich in der Dauerausstellung „Republik und Diktatur. Österreich 1918-1945“ im HGM mündete.

2002 formierte sich schließlich ein Proponentenkomitee, dem unter anderem Architekt Gustav Peichl und die Schauspielerin Elisabeth Orth angehörten. Trotz Drängens fast aller Parteien und der Wiener Stadtpolitik drehte sich das Projekt im Kreis. So schlug etwa Andreas Khol (ÖVP) den Wiener Morzinplatz - während der NS-Herrschaft das Hauptquartier der Gestapo - als Standort vor. Den nächsten Anlauf für das „Haus der Geschichte“ unternahm Khol im Jahr 2005, als das Parlament endgültig ins Palais Epstein einzog und dieses damit als Standort nicht mehr zur Verfügung stand.

Nun schlug der damalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) eine Anbindung an das HGM vor, der damalige Bundespräsident Heinz Fischer unterstützte die Idee des Industriellen Hannes Androsch, die Staatsvertragsausstellungen im Belvedere und auf der Schallaburg zu einem „Haus der Geschichte“ zusammenführen. 2006 war das „Haus der Geschichte“ längst zwischen die parteipolitischen Fronten geraten. Während die SPÖ beklagte, die ÖVP könnte das Projekt für sich instrumentalisieren, beklagten Wissenschafter das Fehlen jeglicher Information über die Planungen. Im April wurde zuerst eine Arbeitsgruppe, dann eine Expertengruppe konstituiert. Und auch eine neue Standort-Variante kam zu Schüssels Favorit, dem Arsenal nahe dem HGM, hinzu: das Künstlerhaus am Wiener Karlsplatz.

Noch im Sommer 2006 präsentierte die Arbeitsgruppe ihre „Roadmap“ zur Errichtung des Republiks-Museums: Der Vollbetrieb sollte spätestens 2015 starten, die erste Ausstellung war für 2008 zum 90-jährigen Republiksjubiläum angedacht. Standort und Finanzierung: unklar. Der Bericht wurde zur Evaluierung an „internationale Experten“ geschickt. Indes kritisierte die Expertenkommission die Arbeitsgruppe wegen mangelnder Transparenz bei der Ausarbeitung des Konzepts - bis 2008 die Regierung selbst die Projektleitung übernahm.

Im April 2008 beschloss der Ministerrat, ein Museumsberatungsunternehmen mit der Detailplanung für das „Haus der Geschichte“ zu beauftragen - und Bundespräsident Fischer sprach sich abermals für das Vorhaben aus. Gegen Jahresende gab der damalige Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) bekannt, das Projekt bei der Gruppe Haas/LORD in Auftrag gegeben zu haben, innerhalb eines Jahres solle ein Architektenwettbewerb abgeschlossen sein. Publik wurden aber nur die Kosten der bisherigen Planungen in der Höhe von 205.300 Euro. Das Vorhaben schlief wieder ein.

Zumindest in den diversen Regierungsprogrammen fand das „Haus der Geschichte“ danach noch Aufnahme, ansonsten hieß es, es sei schlicht kein Geld dafür vorhanden. Ende 2014 tauchte das Vorhaben wieder aus der Versenkung auf: Im Rahmen der Neugestaltung des Weltmuseums sollten auch weitere Projekte angedacht werden. Am 19. Jänner 2015 wurde von Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) schließlich vereinbart, das Umbau-Projekt zu verkleinern - die „Redimensionierung“ ermögliche die Etablierung eines „Haus der Geschichte“ in der Neuen Hofburg am Heldenplatz.




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