Letztes Update am Mi, 24.10.2018 13:53

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


1918/2018 - Erkämpfte Republiksgründung: Wien Museum zeigt Bilder



Wien (APA) - Im Wien Museum wird ab Donnerstag eine neue Ausstellung zu sehen sein, die sich mit der Republiksgründung beschäftigt. Der Fotohistoriker und Kurator Anton Holzer stellt Fotografien von Richard Hauffe in den Mittelpunkt, die das Geschehen in den Jahren 1918/19 eindrücklich vermitteln. Aufnahmen von Heimkehrern, Massenkundgebungen und Aufbruchsstimmung nehmen den Besucher mit auf eine Zeitreise.

Im Jahr 2017 entdeckte Holzer im Archiv des Wien Museums einen „fotografischen Schatz“, wie er es bei einer Pressekonferenz am Mittwoch nannte. Es ist ein kleines Konvolut des Fotojournalisten Richard Hauffe (1878-1933), der 40-jährig die „Stunde Null der Republik in neuem Licht erscheinen ließ“. Dabei waren dies vermutlich die ersten Gehversuche Hauffes als Fotograf, die jetzt nach 90 Jahren im Archiv in der Ausstellung „Die erkämpfte Republik. 1918/19 in Fotografien“ der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Zum einen sind es Fotografien, die noch nie zuvor ausgestellt wurden, zum anderen gibt es aber auch bekannte Bilder darunter. Ein Beispiel ist die Aufnahme vom 12. November 1918, auf der Menschenmassen aus der Vogelperspektive vor dem Parlament gezeigt werden. An diesem Tag wurde die Gründung der Republik Deutschösterreich vor dem Parlamentsgebäude auf der Wiener Ringstraße ausgerufen und das Grundgesetz einstimmig im Parlament beschlossen.

Die Ausstellung nimmt das Geschehen in Wien in den Blick - und damit besonders die Ereignisse auf der Ringstraße. Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bezeichnete der Direktor des Wien Museums, Matti Bunzl, als „Moment in dem die Ringstraße zur Straße der Republik wird“. Nach Aufhebung des Versammlungsverbotes und Zensur trauten sich die Menschen wieder auf die Straße zu gehen und ihre Stimme bei Massenkundgebungen zu erheben. Die Ringstraße wurde damit zum zentralen Verhandlungsort für Forderungen wie Frauenwahlrecht, Acht-Stunden-Tag oder auch dem Anschluss an Deutschland. Hauffe und andere Fotojournalisten waren zu einem Zeitpunkt vor Ort, „an dem Fotojournalismus technologisch zum Massenmedium wird“, sagte Bunzl.

Aufnahmen von Straßenkämpfen verdeutlichen und erklären den Titel der Ausstellung „Erkämpfte Republik“. Holzer wollte damit ausdrücken, dass die Staatsform der Republik „nicht naturgemäß auf die Monarchie und das Ende des Krieges folgte. Die Republik wurde hart erkämpft“. Neben den ca. 200 Fotos sind außerdem zwei Dokumentarfilme, Wahlplakate zu den ersten Wahlen und Flugzettel zu besichtigen. Umrahmt werden die Fotografien von Zitaten berühmter und nicht-berühmter Zeitgenossen. Stefan Zweig wird etwa mit „Es sind die intensivsten Stunden: das Schicksal Europas formt sich um“ zitiert. Das Wien Museum zeigt die Ausstellung vom 25. Oktober bis zum 3. Februar 2019.

(SERVICE - Ausstellung „Die erkämpfte Republik - 1918/19 in Fotografien“, Wien Museum am Karlsplatz, 25. Oktober 2018 bis 3. Februar 2019, Internet: https://www.wienmuseum.at)




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