Letztes Update am Mi, 24.10.2018 14:54

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Haus der Geschichte - Direktorin „glücklich über gemeinsamen Weg“ 1



Wien (APA) - Im Februar 2017 wurde Monika Sommer als Gründungsdirektorin für das Haus der Geschichte Österreich eingesetzt, knapp eineinhalb Jahre danach eröffnet das Haus mit der Ausstellung „Aufbruch ins Ungewisse“. Im APA-Interview spricht sie über Herausforderungen und Chancen einer Neugründung im „Höllentempo“, die Aufgabe, sich einzuschränken und die Zukunft.

APA: Wenige Tage vor der Eröffnung des hdgö wurden einige Eckpunkte für die Zukunft geklärt. Dazu zählen die Herauslösung aus der Nationalbibliothek, die Überführung in die Eigenständigkeit und eine noch nicht näher definierte Anbindung ans Parlament. Sind Sie zufrieden?

Monika Sommer: Ich bin glücklich, dass wir nun einen gemeinsamen Weg skizziert haben. Das Haus soll ein fester Bestandteil der Republik werden. Darüber hinaus freue ich mich, jetzt endlich in das Stadium zu kommen, wo wir einen Museumsbetrieb haben und das Haus der Geschichte Österreich nach diesen langen Diskussionen endlich in eine Realisierungsphase kommt. Wichtig ist, dass die Finanzierung für 2019 nachgebessert wurde. Ohne die gute Zusammenarbeit mit der Österreichischen Nationalbibliothek wäre das Haus der Geschichte Österreich noch nicht so weit, wie wir jetzt sind.

APA: Kulturminister Gernot Blümel und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka haben einen Umbenennung in „Haus der Republik“ angeregt. Ist das ein inhaltlicher Eingriff in Ihre bisherigen Planungen? Schließlich wird dadurch die Zeit davor genauso ausgeschlossen wie die Zeit von 1933 bis 1945.

Sommer: Ich habe mich bei der Namensgebung - Haus der Geschichte Österreich - an den Titel im Gesetz gehalten. Der ebenfalls festgeschriebene politische Auftrag war immer, eine Schau über die Republik zu machen. Wir wollen dieser Evaluierung nicht vorgreifen, sicher kann man aber noch einmal über den Namen nachdenken, der ja unter Historikern vielfach diskutiert wurde.

APA: Sie hatten mit dem hdgö die seltene Möglichkeit, eine Museumsgründung zu verantworten. Wo lagen die Chancen, aber auch die Herausforderungen, ein so einmaliges Projekt umzusetzen?

Sommer: Es ist wirklich mehr als eine Jahrhundertchance, das hdgö in der Gründungsphase leiten zu dürfen. Die Chancen liegen genau darin, ein Museum des 21. Jahrhunderts zu gestalten und die vielfache Kritik, die es an der Institution Museum in den letzten 30, 40 Jahren gegeben hat - Stichwort Postcolonial Studies oder Representative Turn - unmittelbar in unsere Arbeit aufzunehmen. Wir sind als junge Generation von dieser Kritik geprägt und gleichzeitig überzeugt von der Chance, das Museum als Kontaktzone, als sozialen Ort zu etablieren und das Haus in seiner Gleichzeitigkeit von physischem und virtuellem Raum zu denken und zu leben.

APA: Und die Herausforderungen?

Sommer: Es ist sicherlich so, dass es von seiner Struktur und den Rahmenbedingungen ein ziemlich komplexes Unternehmen war. Wir sind Teil der Österreichischen Nationalbibliothek, der Ort selbst war lange nicht gesichert, wir sind umgeben von Sammlungen des KHM. Es gab vielfache Herausforderungen. Natürlich wäre es schön gewesen, hätte man etwas mehr Zeit gehabt. Man darf nicht vergessen, ich bin im Februar 2017 als Gründungsdirektorin allein angetreten und am 10. November 2018 öffnen wir ein Museum. Dafür zollen uns viele internationale und nationale Museumsleute höchsten Respekt, weil sie wissen, was das bedeutet.

APA: Im Fall des hdgö gab es keine eingefahrenen Strukturen, mit denen Sie arbeiten konnten beziehungsweise mussten. Ein Vorteil?

Sommer: Es gibt Erfahrungswerte der ÖNB, auf die wir zurückgreifen konnten. Wir mussten uns natürlich auch einen Modus des Miteinanderarbeitens ausverhandeln. Wenn ein Museum in so einem Höllentempo entstehen soll, muss man sich einfach besonders gut ausreden, wie man miteinander arbeitet. Aber es ist natürlich spannend, wenn man sich überlegen kann, wie man Strukturen gestaltet. Ich war ja zehn Jahre lang im Wien Museum und habe an der Seite des damaligen Direktors Wolfgang Kos intern den Change-Management-Prozess des Hauses mitgemacht und hatte nun die Gelegenheit, auf diesen Erfahrungen aufbauend zu agieren. Das hat mir sehr geholfen.




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