Letztes Update am Mi, 24.10.2018 15:51

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Bauhaus-Jubiläum von Konzert-Absage überschattet



Berlin (APA/dpa) - Überschattet von der Kritik an der Konzert-Absage in Dessau haben die Bauhaus-Stätten in Deutschland den Blick auf das Jubiläumsjahr 2019 gelenkt. In mehr als 600 Veranstaltungen geht es um die bis heute prägende Architektur- und Designschule, die vor gut 100 Jahren gegründet wurde.

„Das Bauhaus ist ein politischer Ort und war ein politischer Ort“, unterstrich Annemarie Jaeggi, die Direktorin des Bauhaus-Archivs in Berlin, am Mittwoch. Nach der Vorstellung des Jubiläums-Programms gab es eine Diskussion zur Entscheidung des Dessauer Bauhauses, ein ZDF-Konzert der linken Punkband Feine Sahne Fischfilet abzusagen. Das wurde als Einknicken vor der rechten Szene und als geschichtsvergessen kritisiert. Die Stiftungsdirektorin Claudia Perren verteidigte den Schritt erneut. Sie räumte aber Fehler bei der Kommunikation ein: „Das ist wirklich ganz schief gelaufen.“

Es sei bei der Absage nicht um die linke Punkband gegangen. Perren, die in Berlin einige kritische Fragen zu hören bekam, führte zwei Gründe an: Das Bauhaus habe den Rechtsextremen keine Kulisse für Proteste bieten wollen - eine Taktik des Fernhaltens. „Man muss sagen, dass uns das diesmal ganz schwer auf die Füße gefallen ist, und das nehmen wir auch sehr ernst.“ Außerdem sei ihr das Risiko einer Eskalation zu groß gewesen. Das habe für sie nichts mit ihrem Vertrauen in die Polizei zutun, sondern mit ihrer Verantwortung gegenüber der Bauhaus-Stätte, die Unesco-Welterbe ist.

Rechte Gruppierungen hatten im Internet zum Protest gegen das Konzert von Feine Sahne Fischfilet aufgerufen. Die Absage trifft jedoch eine linke Musikgruppe, die sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus engagiert. Die Band will weiter am 6. November in Dessau auftreten. Ein Ort ist noch offen. Das Anhaltische Theater Dessau wurde nach Angaben des Intendanten Johannes Weigand nicht angefragt. Er verwies am Mittwoch auf die Band und den Veranstalter. Die Suche nach einer Konzertstätte laufe noch.

Zu den Kritikern der Dessauer Entscheidung gehörten Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Lederer sieht die Debatte in einem größeren Kontext: „Wie reagiert man darauf, das die extreme Rechte versucht, in der Mitte der Gesellschaft Gestaltungsräume zu erobern und Druck zu entfalten?“ Als Vorsitzender des Bauhaus Verbundes wollte Lederer das Jubiläums-Programm in den Mittelpunkt rücken. „Ich glaube, es hat es auch verdient.“

Der Reiseführer „Lonely Planet“ hat gerade Deutschland als Ziel empfohlen, weil dort 100 Jahre Bauhaus gefeiert wird. Das Programm ist riesig. Drei neue Museen entstehen in Weimar, Dessau und Berlin - 52 Millionen Euro gibt es dazu vom Bund. Bei einer „Grand Tour der Moderne“ können Bauhaus-Fans deutschlandweit 100 Orte erkunden.

Im Jänner gibt es ein Eröffnungsfestival in der Berliner Akademie der Künste. Das Haus der Kulturen der Welt zeigt ab März in der Ausstellung „Bauhaus Imaginista“ die globale Strahlkraft der Schule. Der Fernsehsender Arte dreht eine Miniserie „Eine Frau am Bauhaus“, mit Anna-Maria Mühe in der Titelrolle und August Diehl als Walter Gropius.

(SERVICE - Internet: https://www.bauhaus100.de/das-jubilaeum/)




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