Letztes Update am Mi, 24.10.2018 17:43

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Algerisches Parlament will seinen Vorsitzenden absetzen



Algier (APA/dpa/AFP) - Als vorläufigen Höhepunkt einer wochenlangen politischen Krise in Algerien hat sich das Parlament für die Abwahl des bisherigen Parlamentspräsidenten Said Bouhadja (FLN, Nationale Befreiungsfront) ausgesprochen. 320 von 321 anwesenden Abgeordneten stimmten am Mittwoch für einen neuen Parlamentspräsidenten, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur APS.

Ein Abgeordneter enthielt sich seiner Stimme. Als neuen Parlamentspräsidenten benannten die Abgeordneten den 47-jährigen Mouad Bouchareb, den bisherigen Fraktionschef der FLN. Die Opposition boykottierte die Abstimmung und nannte sie „illegal“.

Auch der bisherige Amtsinhaber kritisierte seine Abwahl und kündigte Konsequenzen an. „Ich werde eine Abberufung nur durch Staatspräsident Bouteflika persönlich akzeptieren“, sagte der 80-jährige Bouhadja der Deutschen Presse-Agentur. Die algerische Verfassung sehe eine solche Abstimmung nicht vor.

In Algerien hatte sich die politische Krise zuletzt dramatisch zugespitzt. Vor zwei Wochen verriegelten etwa 200 Abgeordnete die Türen des Parlaments mit einer Kette, um gegen den Parlamentspräsidenten zu protestieren. Die Abgeordneten werfen Bouhadja dubiose Machenschaften und Misswirtschaft vor.

Zudem mehren sich die Stimmen, die gegen einen erneuten Amtsantritt von Staatschef Abdelaziz Bouteflika sind. Der 81-jährige Präsident tritt seit Jahren aus gesundheitlichen Gründen kaum noch öffentlich in Erscheinung, könnte aber im kommenden Frühjahr bereits zum fünften Mal für das höchste Staatsamt kandidieren.




Kommentieren